Menü

Studie zur Tourismusakzeptanz in Rheinland-Pfalz – Tourismus wird überwiegend positiv wahrgenommen

19. November 2021
Aktuelle Informationen zum Corona-Virus / COVID-19 finden Sie hier.
Flutkatastrophe - Informationen zu Hilfsmöglichkeiten

Für die Messung der Tourismusakzeptanz in der Bevölkerung wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes des Deutschen Instituts für Tourismusforschung (DITF) der FH Westküste das Tourismusakzeptanzsaldo (TAS) entwickelt. Ziel ist es, die Tourismusakzeptanz der jeweils ortsansässigen, deutschsprachigen Wohnbevölkerung zu messen. Durch die Entwicklung einer einheitlichen Skala können zudem Vergleiche gezogen werden.  Übergeordnetes Ziel ist die Leistung eines empirischen Beitrags zur Overtourism-Diskussion.

Nach mehrjähriger Entwicklungs- und Erprobungsphase wurde im Sommer 2021 die Tourismusakzeptanz auf Bundeslandebene gemessen.

Auch für Rheinland-Pfalz wurde die Tourismusakzeptanz am eigenen Wohnort in Form des Tourismusakzeptanzsaldos ermittelt (Hybridmessung Telefon- + Onlinebefragung; n= 405).

Die Ergebnisse zeigen, dass ein Großteil der Bevölkerung dem Tourismus gegenüber positiv eingestellt ist. Besonders die positiven Aspekte für den eigenen Wohnort – Tourismus als Wirtschaftsfaktor – werden erkannt. Insgesamt empfinden die meisten der befragten Rheinland-Pfälzer die Anzahl der Touristen im eigenen Wohnort als genau richtig bzw. sogar als zu wenig.

 

Berechnung des Tourismusakzeptanzsaldos

Der Tourismusakzeptanzsaldo (TAS) berechnet sich wie folgt:

  • Bei der Befragung geben die Teilnehmenden auf einer 5er-Skala („überwiegend positiv“ bis „überwiegend negativ“) an, wie sie die Auswirkungen des Tourismus im eigenen Wohnort allgemein (Bezeichnung TAS-W) sowie für sie persönlich (TAS-P) einstufen. Die Berechnung des TAS-Wertes basiert auf dem Saldenkonzept, das heißt dass eine Differenz aus den Top-2 und Low-2 Nennungen der Ergebnisse berechnet wird. Dabei kann ein Wert zwischen -100 und +100 angenommen werden (siehe Grafik 1).
  • Fiktives Beispiel aus Grafik 1: 54% der Befragten geben eine positive („überwiegend positiv“ + „eher positiv“ = Top-2-Wert) und 18% eine negative Bewertung („eher negativ“ +  „überwiegend negativ“ = Low-2-Wert) ab. Subtrahiert man nun den Top-2- und Low-2-Wert erhält man den Wert des Tourismusakzeptanzsaldos (TAS): 54 – 18 = + 36
Berechnung des Saldos

Grafik 1: Berechnung des Tourismusakzeptanzsaldos

  • Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich um die persönlich wahrgenommenen positiven und negativen Auswirkungen handelt und dass die Befragten die Einschätzung explizit zu ihrem persönlichen Wohnort abgeben sollen.
  • Die TAS-Werte für ganz Rheinland-Pfalz ergeben sich somit aus allen Einzelbewertungen spezifischer Wohnorte in Rheinland-Pfalz – es werden hierbei nicht die Auswirkungen auf das Bundesland insgesamt abgefragt.

 

Wichtige Fakten der Studie

  • Die zwei zentralen Saldos TAS-W für den Wohnort und TAS-P für die persönlichen Auswirkungen zeigen für Rheinland-Pfalz jeweils positive Werte. TAS-W = +37 / TAS-P = +24
  • Im Bundesländervergleich liegt Rheinland-Pfalz jeweils im Mittelfeld.
  • Die individuellen Gegebenheiten der Personen können Einfluss auf die Tourismusakzeptanz haben:
    • Befragte mit häufigem Kontakt zu Touristen (z.B. durch Gespräche) haben eine insgesamt höheren Tourismusakzeptanz für den Wohnort sowohl als persönlich.
    • Ein wirtschaftlicher Bezug zum Tourismus hat einen positiven Effekt auf den persönlichen Akzeptanzwert (TAS-P)
    • Jüngere Befragte (16-34 Jahre) haben im Durchschnitt einen vergleichsweise niedrigeren persönlichen Akzeptanzwert (TAS-P).

(siehe Grafik 2)

Wichtige Fakten

Grafik 2: Wichtige Fakten zum Tourismusakzeptanzsaldo

 

Detailbetrachtung der TAS-Werte

Tourismusakzeptanzsaldo Wohnort (TAS-W)

Der TAS-W-Wert zeigt die wahrgenommenen Auswirkungen des Tourismus auf den eigenen Wohnort. Für Rheinland-Pfalz zeigt sich, dass 49% der Befragten den Tourismus positiv bewerten (Top-2). Negativ bewerten ihn hingegen nur 13% (Low-2). Daher ergibt sich der positive Saldo von +37. Zu beachten ist auch, dass ein großer Anteil der Bevölkerung dem Tourismus am Wohnort neutral gegenübersteht (siehe Grafik 3). Die Detailauswertung zeigt, dass Personen mit höherem Haushaltsnettoeinkommen sowie persönlichem Kontakt zu Touristen einen höheren Akzeptanzwert haben.

Tourismusakzeptanzsaldo Wohnort RLP

Grafik 3: Tourismusakzeptanzsaldo Wohnort RLP

 

Tourismusakzeptanzsaldo Persönlich (TAS-P)

Der TAS-P-Wert zeigt die wahrgenommenen Auswirkungen des Tourismus auf die eigenen persönlichen Belange. Für Rheinland-Pfalz zeigt sich, dass 34% der Befragten die Auswirkungen des Tourismus positiv bewerten (Top-2). Negativ bewerten ihn hingegen nur 10% (Low-2). Daher ergibt sich ein positiver Saldo von +24. Der Anteil von Personen, die die Auswirkungen als neutral bewerten ist im Vergleich zum TAS-W-Wert mit über 50% deutlich höher (siehe Grafik 4). Hier zeigt sich Potenzial, den Wert zu steigern, indem der Bevölkerung die positiven Aspekte des Tourismus am Wohnort (z.B. Ausbau von Infrastruktur, Verfügbarkeit von Freizeitangeboten, Gastronomieangebot,…) aufgezeigt werden.

Die Detailauswertung zeigt des Weiteren, dass besonders ein wirtschaftlicher Bezug und der persönliche Kontakt zu Touristen einen positiven Effekt auf die Einschätzung hat. Die Gruppe der Jüngeren (16-34 Jahre) sieht insgesamt weniger persönliche positive Effekte.

Grafik 4: Tourismusakzeptanzsaldo Persönlich RLP

 

Weiterführende Erkenntnisse: Tourismus trägt zu positivem Image des Wohnortes bei

Weitere Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Zahl der Touristen am Wohnort von den Einheimischen überwiegend als genau richtig bzw. teils sogar als zu wenig wahrgenommen wird. Nur 10% empfindet die Anzahl der Touristen am eigenen Wohnort als zu viel.

Die positiven Aspekte des Tourismus wirken sich aus Sicht der Befragten eher positiv auf den Wohnort aus als auf die private Lebensqualität. Er trägt für ca. 70% der Befragten zu einem positiven Image des Wohnortes bei und treibt die lokale Wirtschaft an. Demgegenüber geben nur knapp 40% an, dass der Tourismus Freizeitangebote schafft und zur Nahversorgung beiträgt. Hier zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen Personen mit und ohne wirtschaftlichen Bezug zum Tourismus.

Auch die Corona-Pandemie zeigt Auswirkungen: Knapp 30% geben an, dass sich ihre Wahrnehmung des Tourismus durch die Pandemie verändert hat. Von diesen Personen schätzen ca. 70% die Auswirkungen negativer ein als im Vergleich zu vor der Pandemie.

 

Bundesländervergleich: Rheinland-Pfalz platziert sich im Mittelfeld

Im Vergleich aller Bundesländer platziert sich Rheinland-Pfalz im Tourismusakzeptanzsaldo des Wohnortes (TAS-W) auf Platz 12 (siehe Grafik 5). Mit +37 liegt Rheinland-Pfalz unter dem Durchschnitt aller Bundesländer (+41).

Tourismusakzeptanzsaldo Wohnort Bundesländervergleich

Grafik 5: Tourismusakzeptanzsaldo Wohnort Bundesländervergleich

 

Das Tourismusakzeptanzsaldo Persönlich (TAS-P) liegt im Vergleich auf Platz 10 (siehe Grafik 6). Der Durchschnitt aller Bundesländer liegt bei +25, Rheinland-Pfalz liegt mit +24 nur leicht unter dem Durchschnittswert.

Tourismusakzeptanzsaldo Persönlich im Bundesländervergleich

Grafik 6: Tourismusakzeptanzsaldo Persönlich im Bundesländervergleich

 

Insgesamt kann bei der rheinland-pfälzischen Bevölkerung ggf. durch gezielte Maßnahmen mehr für die positive Wahrnehmung des Tourismus am Wohnort getan werden. Hierbei ist die regional unterschiedliche Ausprägung der Tourismusintensität zu berücksichtigen. Insbesondere für die positiven Auswirkungen des Tourismus auf die persönlichen Belange sollte ein größeres Bewusstsein in der Bevölkerung geschaffen werden. Dies betrifft z.B. das Freizeitangebot oder den Ausbau der Nahversorgung, der durch den Tourismus positiv beeinflusst werden kann.

 

Zusammenfassend:

  • Die Zahl der Touristen wird in Rheinland-Pfalz überwiegend als genau richtig bzw. sogar als zu wenig wahrgenommen.
  • Tourismus wird als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen, allerdings weniger als Treiber der eigenen Lebensqualität.
  • Jüngere Bevölkerung nimmt negative Auswirkungen stärker wahr.
  • Personen mit wirtschaftlichem Bezug zum Tourismus schätzen die persönlichen Auswirkungen des Tourismus (TAS-P) positiver ein.
  • Befragte, die in ihrem Alltag häufiger mit Touristen in Kontakt kommen, z.B. durch zufällige Gespräche, sind dem gegenüber Tourismus allgemein sowie auf persönlicher Ebene positiver eingestellt.
  • Ein kleiner Teil der Befragten steht dem Tourismus seit der Corona-Pandemie kritischer gegenüber.
  • Besonders die Bedeutung des Tourismus auf persönlicher Ebene sollte gestärkt werden, in dem den Bewohnern von Rheinland-Pfalz bewusst gemacht wird, welche Vorteile ein starker Tourismus in der eigenen Region für das persönliche Leben hat: Ausbau von Infrastruktur, Verfügbarkeit von Freizeitangeboten, Gastronomieangebot,…

 

Quelle: DITF der FH Westküste (2021). Tourismusakzeptanzstudie Rheinland-Pfalz 2021. Heide.


Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH · Projektmanagerin Marktforschung
kroeber@rlp-tourismus.de · Telefon: +49 (0) 261-91520-56 · Telefax: +49 (0) 261-91520-40
Kategorien: Allgemein · Marktforschung
Kommentarbereich einblenden Kommentarbereich ausblenden

Keine Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Teilen über:

Weitere Artikel