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Die aktuelle Coronalage in unseren Auslandsmärkten

28. Juli 2021
Aktuelle Informationen zum Corona-Virus / COVID-19 finden Sie hier.
Flutkatastrophe - Informationen zu Hilfsmöglichkeiten

Über ein Jahr plant die Tourismusindustrie mit den wechselnden Maßnahmen im Rahmen der Coronakrise. Grenzen öffnen und schließen wieder, Quarantänepflicht kommt und geht – abhängig von Inzidenzen und neuen Virus-Varianten. Touristen und Touristiker müssen stets auf dem neusten Stand sein. Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH (RPT) fasst im Folgenden die aktuellen Entwicklungen der wichtigsten Quellmärkte zusammen und berücksichtigt dabei u. a. auch die Erkentnisse der Webinarreihe Market Insights der DZT.

Niederlande
Die Niederlande gehen mit der Pandemie etwas anders um als die meisten Nachbarländer. So wurden beispielsweise die Hotelbetriebe nie geschlossen und von Reisen im eigenen Land wurde zwar abgeraten, sie waren jedoch möglich. Leider mussten die Niederlande aber doppelt so viele, teilweise sogar viermal so viele Coronafälle verzeichnen wie Deutschland. Auch die Impfungen verliefen zu Beginn eher schleppend. Laut niederländischem Marktforschungsinstitut NBTC-Nipo möchten nun aber über 60 % der Befragten endlich wieder ins Ausland reisen (NBTC-Nipo 2021). Auch im Coronajahr 2020 und im aktuellen „Übergangsjahr“ 2021 ist Deutschland noch immer das beliebteste Reiseziel der Niederländer. Aktuell bevorzugen die Niederländer Reisen mit dem eigenen Auto und einen Aufenthalt in Ferienwohnungen. Außerdem liegt Kurz- und Last-Minute-Urlaub im Trend. Wie bei vielen europäischen Nachbarn zieht es auch die Niederländer vermehrt zum Wandern und Radfahren in die Natur. Aktuell wird das Reisen ins Ausland für Niederländer jedoch wieder etwas schwieriger, denn aufgrund der in kurzer Zeit sehr stark gestiegenen Infektionszahlen wurden die Niederlande von Deutschland ab 27. Juli zum Hochinzidenzgebiet erklärt. Die Regierung hatte im Juni viele Lockerungen für die Bevölkerung veranlasst, die nun wieder zurückgenommen werden.

Belgien
Belgien war auch eines der Länder, das besonders stark von der Coronakrise betroffen war. Doch das Land scheint die Zahlen aktuell im Griff zu haben. Seit Mitte Juni ist Belgien nicht mehr als Risikogebiet eingestuft und Reisen nach Deutschland können wieder geplant und durchgeführt werden. Deutschland ist für die Belgier ein sicheres und vertrauenswürdiges Land und steht an dritter Stelle der beliebtesten Destinationen für die Belgier – 2019 war es noch auf Platz 4. Das beliebteste Bundesland für einen Aufenthalt in Deutschland ist Rheinland-Pfalz. Wie schon in anderen Ländern haben die Restriktionen und Einschränkungen dazu geführt, dass die Belgier 2021 mehr Geld für den Urlaub zur Verfügung haben und auch bereit sind, dieses auszugeben. Es herrscht eine große Reiselust im Land. Besonders beliebt ist Camping. Obwohl die Belgier schon immer gerne Campingurlaub gemacht haben, ist der Anteil von Übernachtungen auf Campingplätzen 2020 erstmals über 10 % gestiegen (Statistisches Bundesamt 2020). Im Schnitt bleiben die Belgier 2,6 Nächte in Deutschland und seit Sommer 2020 herrscht ein großes Vertrauen in die Sicherheit bei Reisen im Nachbarland.

Schweiz
Die Schweiz hat in dem Umgang mit der Pandemie immer wieder einen anderen, liberaleren Weg gewählt als die Nachbarländer. Die Schweizer litten unter weniger und vor allem sanfteren Einschränkungen. Der Einzelhandel sowie die Gastronomie mussten nicht so lange schließen und Hotels durften durchgehend geöffnet bleiben. Nichts destotrotz mussten die Schweizer auf Kunst, Kultur, Reisen außerhalb der Schweiz und Veranstaltungen verzichten. Dies führte laut Studien zu einer großen finanziellen Ersparnis, die nun in einen Konsumrausch verwandelt werden könnte. Schon während der Pandemie war die Reiselust der Schweizer nicht zu bremsen. Musste diese aber im eigenen Land gestillt werden, freuen sich nun viele Reiselustige auf einen Urlaub in Deutschland. Das bevorzugte Reisemittel ist aufgrund der Auflagen aktuell der eigene PKW, gefolgt von der Bahn. Anders als in Nachbarländern legen die Schweizer ihr Vertrauen noch immer überwiegend in Hotels. Bei der Reiseplanung sind flexible Stornierungsbedingungen sowie die Quarantäneregelungen entscheidend für den Schweizer Gast. In Deutschland sucht dieser nach Wellness- und Kulinarik-Urlaub, ist gern aktiv in der Natur unterwegs. Auch Schlösser und Burgen sind weiterhin sehr beliebt.

Österreich
Letztes Jahr schaffte es Österreich zu Beginn der Pandemie und auch später immer wieder aufgrund sehr hoher Infektionszahlen in die Negativschlagzeilen. Pünktlich zur Urlaubszeit sieht es 2021 viel positiver aus: Die Corona-Infektionsraten in Österreich sind, genau wie in Deutschland, rückläufig. Momentan liegt die 7-Tage-Inzidenz deutlich unter der kritischen Marke von 50. Unser Nachbarland ist daher aktuell auch den Titel des Risikogebiets los, was Reisen zwischen den beiden Ländern wieder einfacher macht. Laut Umfragen planen 78 % der Österreicher private Reisen für diesen Sommer, über 40 % der Reisewilligen möchten auch ins Ausland (Trendstudie Corps Touristique Austria 2021). Im Bereich der Urlaubsreisen konnte Deutschland seinen Marktanteil in Österreich ausbauen und gehört mit Kroatien und Italien zu den Top 3 Auslandsdestinationen für Österreicher. Auch dieses Jahr gilt: Reisende möchten notfalls wieder schnell ihr Zuhause erreichen und bevorzugen den eigenen PKW als Verkehrsmittel. Davon profitiert Deutschland als Destination, ebenso wie von dem Wunsch nach Aktivurlaub. Wandern und Radfahren stehen hoch im Kurs, aber viele österreichische Touristen sehnen sich aktuell auch vermehrt nach Kultur- und Städtetrips, um nach einer so langen Zeit der Isolation wieder etwas unter Menschen zu kommen.

Frankreich
Frankreich war und ist von der Coronapandemie stärker betroffen, jedoch regional sehr unterschiedlich. Die 7-Tage-Inzidenz liegt landesweit über 180 und ist damit deutlich höher ist als in Deutschland. Einzelne Regionen wie Korsika, Okzitanien, Provence-Alpes-Côte d’Azur und das Übersee-Département Martinique gelten seit 27. Juli zudem als einfache Riskiogebiete. Seit Ausbruch der Pandemie wurde die deutsch-französische Grenze immer wieder geschlossen, doch aktuell ist das Reisen zwischen den Nachbarländern wieder etwas einfacher möglich. Die Franzosen litten in der Krise unter sehr strikten Einschränkungen und freuen sich nun immer mehr auf die neu gewonnene Reisefreiheit. Fast 70 % der Franzosen sehnen sich nach Urlaub, die große Mehrheit wird den Sommer aber lieber im eigenen Land verbringen (ADN Tourisme, Mai 2021). Es scheint jedoch, als bildet sich ein neues Klientel für Deutschland. Viele junge Leute zeigen vermehrt Interesse an Deutschland als Reisedestination. Das liegt vor allem an einem guten Angebot von nachhaltigem Tourismus sowie der Begeisterung für Campingurlaub mit dem eigenen oder geliehenen Van. Diese Zielgruppe erfreut sich vor allem an Roadtrips, Städtereisen und Kultur.

Großbritannien
Großbritannien hat stark mit der Pandemie zu kämpfen. Hohe Inzidenzen und Todesfälle verursachten geschlossene Grenzen und enorme Einschränkungen für die Einwohner. Die sich stark ausbreitende Delta-Variante machte die Insel bis 6. Juli auch zum Virusvariantengebiet, was enorme Reiseeinschränkungen bedeutete. Seit 11. Juli wurde der Status auf Hochinzidenzgebiet herabgestuft. Vor nicht notwendigen Reisen wird aber nach wie vor gewarnt. Positiv ist, dass es in Großbritannien eine große Impfbereitschaft gibt und erfolgreich und schnell geimpft wird. Ein weiterer Stolperstein neben der Coronalage ist auch der vollendete Brexit. Daher ist es schön zu hören, dass vor allem die junge Generation trotz Brexit an Reisen in Europa und Deutschland festhält. In einer Umfrage zum Thema gaben 80 % der Befragten an, dass das Reisen essentiell zum Leben gehört und ca. 70 % der Befragten werden auch wieder ins Ausland verreisen (AITO / Spike Insights 2021, ABTA Holiday Habits Research 2020). Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern steigt das Interesse an nachhaltigen Reisen und Reisen in die Natur, wobei sich junge Briten, ähnlich wie die französischen Nachbarn, auf Städtetrips und Kultur freuen. Im Trend sind aktuell Destinationen, die schon bekannt sind, worunter auch Deutschland zählt und entgegen dem Trend vor Corona wird die Buchung bei Reiseveranstaltern wieder beliebter. Um die Briten für die eigene Destination zu gewinnen ist eine niedrige Inzidenz wichtig. Außerdem möchten die meisten Briten erst verreisen, wenn sie vollständig geimpft sind und nur mit einer COVID19-gültigen Reiseversicherung.


Autorin: Anja Wendling
Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH · Stellv. Geschäftsführerin/Marketingleiterin
wendling@rlp-tourismus.de · Telefon: +49 261 9152021 · Telefax: +49 261 915206121
Kategorien: Marktforschung
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