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Modellrechnungen: Rund ein Viertel der Bevölkerung und mehr als 800 Betriebe in unmittelbarer Nähe zu Ahr

27. Juli 2021
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In dem 200-Meter-Nahbereich ist die Betroffenheit durch die Hochwasserkatastrophe besonders hoch; allerdings hat es je nach örtlicher Situation auch jenseits dieser Marke verheerende Zerstörungen gegeben, wie vor allem Bildquellen zeigen. Die Ergebnisse der Modellrechnungen sind insofern eher eine Untergrenze für die Zahl der von dem Hochwasser betroffenen Menschen und Gewerbebetriebe.

Die Modellrechnungen verdeutlichen, dass in den 17 Gemeinden, die unmittelbar an der Ahr liegen, rund 4.200 Wohngebäude (26 Prozent aller Wohngebäude) nicht mehr als 200 Meter von den Ufern des Flusses entfernt sind. Bei jedem zehnten Wohngebäude beträgt die Entfernung zur Ahr höchstens 100 Meter. In den 4.200 Wohngebäuden gab es vor dem Hochwasser schätzungsweise 7.600 Wohnungen, die mehr als 14.700 Menschen ein Zuhause boten. Die meisten der in Flussnähe lebenden Personen stammen aus Bad Neuenahr-Ahrweiler (ca. 6.900), aus Altenahr und aus Sinzig (jeweils ca. 1.200).

Insgesamt lebten in den 17 Ahr-Gemeinden am Jahresanfang 2021 etwa 57.500 Personen. Somit ist mindestens ein Viertel der Einwohnerinnen und Einwohner dieser Gemeinden allein durch die Nähe zur Ahr extrem betroffen. Den höchsten Bevölkerungsanteil mit geringer Wohndistanz zur Ahr gibt es in der Gemeinde Schuld. Dort lebten am Jahresanfang ca. 95 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner weniger als 200 Meter von den Flussufern entfernt. Auch in den Gemeinden Müsch (80 Prozent) und Fuchshofen (77 Prozent) wohnte die Mehrzahl der Einwohnerinnen und Einwohner sehr nahe am Fluss. Insgesamt lebte in zehn der 17 Ahr-Gemeinden vor der Flutkatastrophe mehr als die Hälfte der Bevölkerung in einem Gebäude, das weniger als 200 Meter von der Ahr entfernt ist.

Gastgewerbe besonders hart betroffen

Die Modellrechnungen geben auch erste Hinweise auf die wirtschaftlichen Folgen der Überschwemmungen. Mehr als 4.800 Gebäude, die überwiegend wirtschaftlichen Zwecken dienen, liegen in den 17 Gemeinden weniger als 200 Meter vom Ahr-Ufer entfernt. Insgesamt könnten von den Folgen des Hochwassers etwa 830 Gewerbebetriebe unmittelbar betroffen sein. Fast die Hälfte dieser Betriebe hat ihren Sitz in Bad Neuenahr-Ahrweiler (47 Prozent).

Von den verschiedenen Branchen dürfte das Gastgewerbe durch das Hochwasser die schwersten Folgen davontragen. Knapp 150 der sehr nahe an der Ahr gelegenen Betriebe gehören zu diesem Wirtschaftszweig. Aber auch die übrigen Gewerbebetriebe dürften massiv leiden, da mit einem dramatischen Rückgang des Tourismus zu rechnen ist, der Jahre anhalten könnte. An zweiter Stelle folgen Betriebe aus dem Bereich „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ vor dem Bereich „Baugewerbe“.

Insgesamt arbeiteten vor der Flutkatastrophe schätzungsweise 4.100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den rund 830 Betrieben in Flussnähe. Davon hatten mehr als 2.800 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz in Bad Neuenahr-Ahrweiler (69 Prozent) und etwa 290 in Altenahr (sieben Prozent). Der überwiegende Teil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den 17 Ahr-Gemeinden ist im Bereich „Gesundheits- und Sozialwesen“ tätig (ca. 1.200 Personen bzw. 30 Prozent), gefolgt von den Bereichen „Gastgewerbe“ (ca. 680 Personen bzw. 16 Prozent) und „Verarbeitendes Gewerbe“ (ca. 490 Personen bzw. zwölf Prozent).

Auf Basis der Modellrechnungen können noch keine abschließenden Aussagen zu den tatsächlich von dem Hochwasser betroffenen Personen, Familien, Gebäuden und Betrieben getroffen werden, da unter anderem Höhenprofilunterschiede in den Gemeinden noch nicht vollständig berücksichtigt sind. Dies wird erst mit weiterführenden Auswertungen möglich sein, die in einem nächsten Schritt durchgeführt werden.

Sonderseite mit Grafiken und Tabellen zu den Modellrechnungen

Die Ergebnisse in dieser Pressemeldung wurden durch Modellrechnungen zu den Auswirkungen des Hochwassers an der Ahr auf die Bevölkerung und die Betriebe in 17 Gemeinden des Landkreis Ahrweiler gewonnen. Für die Berechnungen wurde zunächst auf Basis von Geodaten bestimmt, wie viele Gebäudeumringe sich in einer bestimmten Distanz zum Fluss befinden. Anschließend wurden die Gebäudeumringe verschiedenen Gebäudetypen zugeordnet und mit Hilfe der Daten der laufenden Bevölkerungsfortschreibung, der Fortschreibung der Gebäude- und Wohnungszählung, des Mikrozensus sowie des Unternehmensregisters Schätzmodelle entwickelt, die Aussagen über die betroffenen Personen, Familien, Gebäude, Wohnungen und Betriebe erlauben.

Autor: Sebastian Fückel (Referatsleiter Analysen Staat, Soziales)


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