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Tourismusstrategie

Tourismusstrategie 2015: Halbzeitbilanz und Weiterentwicklung

Die Tourismusstrategie 2015 bestimmt die touristische Zielrichtung des Landes Rheinland-Pfalz, indem sie die chancenreichsten Themen, Zielgruppen und Märkte definiert und die Zusammenarbeit der touristischen Partner fördert. Denn der Tourismus spielt in Rheinland-Pfalz eine sehr große Rolle: Er ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Jobmotor, er verbessert die Attraktivität und Lebensqualität der ländlichen Regionen, trägt zum Erhalt der Kultur- und Naturlandschaften bei und fördert die regionale Identität, um nur einige Faktoren zu nennen. 2008 wurde die Tourismusstrategie 2015 durch das damalige Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, die Industrie- und Handelskammern, den Hotel- und Gaststättenverband Rheinland-Pfalz sowie den Tourismus- und Heilbäderverband Rheinland-Pfalz e.V erarbeitet.

Bilanz zur Halbzeit und Ableitungen für die überarbeitete Tourismusstrategie

Die Rahmenbedingungen für den Tourismus in Rheinland-Pfalz haben sich in den letzten Jahren geändert: So beeinflusst der demographische Wandel zum Beispiel einerseits die Zielgruppen, aber auch im Land selbst die Nachfolgeprobleme und den Fachkräftemangel im Gastgewerbe. Die rasante Weiterentwicklung in den Bereichen Internet und Social Media findet in den geänderten strategischen Leitlinien ebenso Beachtung wie die Förderung eines nachhaltigen Tourismus. Die Steigerung der Wertschöpfung und die Umsetzung eines ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Tourismus sind die vorrangigen Ziele der überarbeiteten Tourismusstrategie, die in sechs Strategiefeldern konkretisiert werden.

Änderungen Strategiefeld 1

Konzentration auf chancenreichste Themen und Zielgruppen

Der Weg zu „wirtschaftlich attraktiven Gästen“ führt über eine klare Zielgruppenorientierung, die schon in der Erstfassung der Tourismusstrategie angesprochen wurde und nun in einem themenübergreifenden Zielgruppenmodell konkret ausgerichtet werden soll. Die für das Reiseland Rheinland-Pfalz wichtigsten Themen Radwandern, Wandern, Wein und Weinkulturlandschaften sowie Gesundheit werden weiterhin genutzt, um konkrete Reiseanlässe zu schaffen. Sie sind sozusagen die Profilspitzen im Marketing, die auf das Land und seine Regionen aufmerksam machen. Ergänzt werden diese nun von dem neuen Strategiefeld 2 „Profilierung durch Regionalität und Kultur“. Damit hat man die meisten Alleinstellungsmerkmale von Rheinland-Pfalz beisammen: Die vier Themen in Verbindung mit den Fluss-, Mittelgebirgs- und Weinlandschaften, mit den Burgen und attraktiven Orten, den historischen Stätten und dem lebendigen Brauchtum bis hin zu den regionalen Produkten, allen voran dem Wein.

Strategiefeld 2 „Profilierung durch Regionalität und Kultur“ –

wichtiger Handlungsbereich für Regionen und Orte

In den rheinland-pfälzischen Dörfern und Städten sind Kultur und regionale Identität für den Gast erlebbar, zusätzlich zum Landschaftserlebnis. So umfasst der Oberbegriff „Regionalität“ zum einen die materiellen Güter der „Kulturlandschaft“, das heißt Kulturgüter und -denkmäler, Kunst, Stadt- und Ortsbilder sowie regionale Baukultur. Zum anderen betrifft das regionale Erbe heimische Produkte wie Wein und Kulinarik, Brauchtum, Kulturtraditionen (z.B. Literatur, Musik, Esskultur), typisches Handwerk und authentische Menschen, die ihre Mentalität, Sprache und Gastfreundschaft lebendig halten. Ein Ziel der Tourismusstrategie ist somit, dass Regionalität in den Regionen und Orten herausgearbeitet wird, um diese als profilgebenden Bestandteil in die Angebote und Marketing-Kommunikation zu integrieren.

Auch Städtebauförderung, Dorferneuerung und Denkmalpflege sind für den Tourismus von größter Bedeutung.

Regionalmarken als Beispiele für die Förderung der Regionalität

Gute Beispiele für die Förderung von Regionalität sind die Regionalmarken der Mittelgebirge. Das reicht von der Regionalmarke Eifel über die SooNahe-Initiative von Nahe und Hunsrück bis zum Westerwälder Kräuterwind-Motto. Die Regionalmarken bescheinigen, dass es sich um heimische Produkte handelt, die bestimmten Qualitätsanforderungen entsprechen. Das reicht von Massivholzmöbeln aus Eifler Holz über den Hunsrücker Käse und die Damwild-Produkte aus dem Naheland bis zum Westerwälder Schnaps. Für die Produzenten eröffnen sich mit der Teilnahme an den regionalen Initiativen neue Marketing- und Absatzmöglichkeiten. Die Touristiker können weitere regionale Alleinstellungsmerkmale nutzen, um der Region ein einzigartiges Bild zu geben, das sich auch emotional in Szene setzen lässt.

Qualität steht weiterhin im Fokus

Das Strategiefeld 4 bezieht sich auf die Qualität als Fundament für den Erfolg. Damit ist ein umfassendes Qualitätsdenken gemeint, das zwar von den Initiativen der ServiceQualität und Hotelklassifizierung gestützt wird, aber umfassend auf vier Bereiche bezogen wird: Die Kommunikations- und Informationsqualität, die Infrastrukturqualität, die Servicequalität und die Erlebnisqualität. Für die Orte bietet sich als Stadtentwicklungskonzept zum Beispiel die Zertifizierung als Qualitäts-Stadt an. Wichtig ist, dass dabei viele Akteure, vom Hotel bis zum Handwerker oder Ladengeschäft, an einem Strang ziehen und gemeinsam definierte Qualitätsstandards umsetzen. In Rheinland-Pfalz gibt es mittlerweile vier Qualitäts-Städte, nämlich Hachenburg, Daun, Bad Neuenahr-Ahrweiler und Bernkastel-Kues. Auch mit einer zielgruppenbezogenen Qualität können sich Orte besonders profilieren, indem sie zum Beispiel das Thema Barrierefreiheit in einer geschlossenen Servicekette umsetzen.

Auslandsmärkte weiterhin von Bedeutung

Ein Anstieg der Gästezahlen und der daraus resultierenden Wertschöpfung wird in den nächsten Jahren vor allem aus dem Ausland erwartet. In der Tourismusstrategie 2015 liegt deshalb ein besonderer Schwerpunkt auf der Bearbeitung der ausländischen Quellmärkte. Diese wurden 2010 von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH neu bewertet, so dass die überarbeitete Tourismusstrategie eine Marktbearbeitung vorschlägt, die bereits mit Themen und Schlüsselbotschaften versehen ist, und für alle Akteure im Land als Richtschnur dient. Das heißt konkret, dass die Niederlande und Flandern besonders intensiv bearbeitet werden, gefolgt von den Märkten Frankreich, Wallonie und Luxemburg, Großbritannien und Irland, Schweden und Dänemark sowie Italien, Spanien, Schweiz und USA. Potential hat zum Beispiel auch die Großregion Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz-Wallonie, besonders für Gruppenreisen und Tagestourismus. Regionen und Orte, die die Auslandsmärkte in den Fokus nehmen, sollten darauf achten, dass die touristische Informations- und Servicekette auch für die ausländischen Gäste funktioniert. Das reicht von der Mehrsprachigkeit der Broschüren und Internetseiten sowie der Mitarbeiter bis hin zum Wissen über Besonderheiten und Wünsche der Kunden aus den jeweiligen Quellmärkten.

Bedeutung des neuen Strategiefelds „Organisation und Finanzierung“

Im Rahmen der Halbzeitbilanz wurde erneut deutlich, dass die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Tourismusstrategie 2015 von herausragender Bedeutung sind. Ziel ist die Entwicklung einer langfristigen, auf allen Ebenen tragfähigen Struktur der Tourismusfinanzierung. Dabei sollen drei grundsätzliche Ansätze verfolgt werden: Das sind zum einen die Erzielung von mehr Einnahmen aus dem Kerngeschäft der Tourismusorganisationen und die Entwicklung von Zusatzgeschäften. Hinzu kommt die für die Kommunen besonders relevante Ausschöpfung bestehender Finanzierungsmöglichkeiten, wie z.B. die finanzielle Beteiligung der Gäste oder der touristischen Betriebe und nicht zuletzt eine effizientere Organisationsstruktur.

Verbesserung der Strukturen regionaler und lokaler Ebene

Die Regionen und Orte finden konkrete Unterstützung in dem “Leitfaden zur Umsetzung der Tourismusstrategie 2015 in den rheinland-pfälzischen Tourismuskommunen”. Der Tourismus- und Heilbäderverband Rheinland-Pfalz e.V. hat diesen als konkrete Hilfestellung herausgegeben, um die Strukturen und Aufgaben der lokalen Ebene zu überprüfen und eventuell zu bündeln. Zudem soll die Qualität der touristischen Marktbearbeitung verbessert werden. Der Leitfaden kann bei der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH bestellt werden oder hier heruntergeladen werden.

Bedeutung der Tourismusstrategie 2015 für einzelne Unternehmen im Tourismusgewerbe

Das neue Strategiefeld 6 ist auf das Tourismusgewerbe ausgerichtet und bezieht sich somit auf alle Unternehmen, die wirtschaftlich direkt vom Tourismus profitieren, das heißt Beherbergung, Gastronomie, Handel und Gewerbe, Landwirtschaft und Weinbau, Kultur- und Freizeitanbieter, Transportunternehmen, etc. Zunächst sollen die Bedürfnisse dieser Zielgruppen erfragt werden, um anschließend gezielte Maßnahmen zu entwickeln, die einerseits die Betriebe stärken und andererseits die Qualität im Tourismusgewerbe erhöhen. Auch können Investitionsanreize für touristische Ausbau- und Entwicklungsvorhaben geschaffen werden. Dies betrifft auch konkret die Kommunen, denn Investitionen in öffentliche Maßnahmen, vorwiegend in die Infrastruktur aber auch in größere Veranstaltungen, sind wichtige Auslöser und Anreize für private Investitionen. So sollte bei jeder öffentlichen Investition im Tourismus geprüft werden, wie diese möglichst effizient umgesetzt werden kann, damit ein Maximum an Betrieben davon profitiert. Die BUGA 2011 in Koblenz ist ein gutes Beispiel für eine solch nachhaltig sinnvolle Investition.

Download der Tourismusstrategie 2015 als PDF