26. September 2017

Welttourismustag der UNWTO zum Motto “Nachhaltiger Tourismus” am 27.09.2017

Bereits zum 38. Mal begeht die Welttourismusorganisation UNWTO am 27. September den Welttourismustag.
In diesem Jahr steht dieser unter dem Motto “Nachhaltiger Tourismus: Ein Werkzeug für Entwicklung” (“Sustainable tourism: a tool for development”).

Auch für Rheinland-Pfalz gilt es, die Grundlagen für den Tourismus durch nachhaltiges Agieren zu erhalten, also unseren Raum so zu gestalten, dass sich unsere Gäste und unsere lokale Bevölkerung hierin wohl fühlen, wir gemeinsam Entwicklungsmöglichkeiten sehen und diese sichern. Neben diesem sozialen Aspekt gilt es auch die zwei weiteren Dimensionen von Nachhaltigkeit, die Ökonomie und die Ökologie, gesamtstrategisch in diese Betrachtungen mit einzubeziehen.

Definition “Nachhaltiger Tourismus”

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) definiert nachhaltigen Tourismus wie folgt:
“Der Nachhaltigkeitsgedanke mit seinen drei Säulen – ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit – ist fest in entsprechenden Konzepten (der Tourismusregion) verankert und wird bereits angewendet. Es gilt, die Bedürfnisse der Gäste und der lokalen Bevölkerung mit denen des Natur- und Umweltschutzes zu verbinden und dabei eine langfristig wirtschaftliche sowie sozial verträgliche Entwicklung anzustreben. Nachhaltiger Tourismus trägt erheblich zu einer dauerhaften Wertschöpfung und zum Wohlstand der Bevölkerung bei. Er ist zugleich Impulsgeber für eine nachhaltige Regionalentwicklung im ländlichen Raum.” (Definition/Abgrenzung Bundeswettbewerb Nachhaltige Tourismusregionen 2012/13, Quelle)

Marktforschung “Nachfrage für Nachhaltigen Tourismus”

Der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FuR) hat mit Förderung des Bundesumweltministeriums im Rahmen der Reiseanalyse 2014 in einem Modul zum Thema „Nachhaltige Urlaubsreisen: Akzeptanz und Potenziale“ Entscheidungsgründe, Einstellungen etc. der Reisenden erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass eine große Nachfrage nach nachhaltigen Produkten da ist, die sich quer durch alle Bevölkerungsschichten zieht. Auch ist man bereit, für nachhaltige Angebote mehr zu zahlen, wenn der Nutzen die höheren Kosten entsprechend rechtfertigt. Denn schließlich steht der Aspekt der Nachhaltigkeit direkt neben dem Bedürfnis unserer Gäste, einen schönen Urlaub zu verbringen. (vgl. Abschlussbericht zu dem Forschungsvorhaben: Nachfrage für Nachhaltigen Tourismus im Rahmen der Reiseanalyse).

Besonders wichtig sind daher die Art und Weise der Information und der Kommunikation vor dem Hintergrund der nachhaltigen Angebote. Ziel muss es hierbei sein, Wissen zu vermitteln und Bewusstsein zu schaffen – sowohl auf der Gästeseite als auch auf der Anbieterseite. Der Zusatznutzen muss deutlich sichtbar gemacht werden, Transparenz und Vertrauenswürdigkeit sind Basis. Auch steht die Frage im Raum, wie man die Angebote in der Kommunikation kennzeichnet: ist der Begriff “Nachhaltigkeit” für unsere Gäste verständlich? Oder wird hierunter vornehmlich “naturverträglicher Tourismus” verstanden?

Standards, Leitlinien, Zertifizierungen

Wer sich mit dem Thema “Nachhaltiger Tourismus” befasst, findet verschiedenste Standards und Leitlinien, wie z.B. die 2012 veröffentlichten Global Sustainable Tourism Criteria (GSTC), das European Tourism Indicator System (ETIS) und die am 25.09.2015 von der Generalversammlung der Vereinigten Nationen verabschiedeten Sustainable Development Goals (SDGs). Zudem eine Vielzahl von Zertifizierungssystemen, Gütesiegeln und Leitfäden zum Thema in Regionen, Kommunen, Schutzgebieten. Solche existierenden Systeme zu analysieren, zu strukturieren, auf Praktikabilität zu prüfen, zu bündeln und als praktische Hilfestellung für Tourismusdestinationen herauszugeben, war Aufgabe des Forschungsprojektes “Entwicklung und Überprüfung von Kriterien und Indikatoren für die Ausweisung nachhaltiger Tourismusdestinationen” des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), gefördert von Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und koordiniert durch den Deutschen Tourismusverband (DTV) (vgl. hier).

Ein Jahr nach Veröffentlichung dieses Praxisleitfadens wurde im Auftrag des DTV eine Kurzbefragung deutschlandweit durchgeführt, an der 123 Vertreter aus regionalen, städtischen und lokalen Destinationen teilnahmen. “Die Ergebnisse zeigen, dass der Leitfaden insgesamt sehr gut bei den Touristikern ankommt und vor allem die gut strukturierte Aufarbeitung geschätzt wird. Es wurde im Rahmen der Befragung jedoch auch deutlich, dass viele Destinationen begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen für das Thema Nachhaltigkeit haben und oftmals andere Themenfelder als vorrangig gesehen werden. Die Destinationsmanager wünschen sich zudem weitere Hilfestellungen und Unterstützung vom Staat, Verbänden und Wissenschaft” (Quelle: Martin Balàs, BTE-Tourismus. Aktuelle Mitteilungen vom 15.03.2017).

Nachhaltige Ausrichtung im rheinland-pfälzischen Tourismus

Das Thema “Nachhaltigkeit” spiegelt sich auch in Rheinland-Pfalz in den verschiedenen Angebotssegmenten wider. So erhielt z.B. beim Bundeswettbewerb “Nachhaltige Tourismusregionen”, der 2012/13 durch DTV, BfN, BMUB zu ersten Mal gemeinsam durchgeführt wurde, mit dem Ziel, nachhaltige Angebote und den ländlichen Raum zu fördern, die Eifel einen Biodiversitäts-Sonderpreis.

Neben den Angebotsfeldern zu Rad und Wandern in unseren Destinationen, für welche unsere Gäste uns eine hohe Themenkompetenz zusprechen (vgl. auch hierzu den Ansatz des themenorientierten Zielgruppenmarketings) stehen unsere acht Naturparke, der Nationalpark Hunsrück-Hochwald, das Bioshärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen mit dem Haus der Nachhaltigkeit – stellvertretend für die vielen Ausstellungen und Informationsstellen – auch mit für die verschiedenen Handlungsfelder des Ansatzes für Nachhaltigen Tourismus. Durch Angebote wie z.B. die Trekkingplätze in der Pfalz oder am Soonwaldsteig lenkt man die Nachfrage nach dieser besonderen Form des Naturerlebens und macht für die Sensibilität des Ökosystems bewusst: Anreise zu Fuß (inklusive Gepäck), begrenzte Anzahl an Zelten und selbstverständlich wird der Müll, den man mitgebracht hat, auch wieder mit zurück genommen (bzw. am besten wird Müll direkt vermieden).
Nicht zu Fuß, sondern mit der Bahn z.B. kann man in den Naturpark Pfälzerwald anreisen: Die Kooperation der Deutschen Bahn (DB) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. sowie dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V. hat als Ziel, Schutzgebiete als attraktive Reiseziele bekannter zu machen und informiert über Fahrtziel Natur über die Möglichkeiten, mit der Bahn anzureisen bzw. über die Mobilitätsmöglichkeiten vor Ort.

Auch haben einige unserer Gastgeber verschiedenste Auszeichnungen und Zertifikate wie z.B. Null-Emmissions-Hotel, Klimahotel, Klimafreundlicher Betrieb nach Ecocamping, Bio-Hotel, umwelt- und klimafreundliches Reisen, DEHOGA-Umweltcheck. Stellvertretend für dieses Engagement auf Betriebsebene sei das Hotel/Restaurant Gutshof Ziegelhütte in Edenkoben genannt, welches bei der Klimaschutz- und Energieeffizienzgruppe der Deutschen Wirtschaft Mitglied ist. Und auch die drei klimafreundlichen Campingplätze in Rheinland-Pfalz : Kronenburger See (Eifel), Prümtal Camping (Eifel) und Camping im Eichenwald (Westerwald).

Bei unseren Gästen wichtig und mit ein wertvolles Engagement im Rahmen der touristischen Angebotsgestaltung sind die regionalen Initiativen wie Ebbes von hei, SooNahe, Regionalmarke Eifel etc.
Einen Ansatz wie cittaslow, welcher Deidesheim als erste Stadt in Rheinland-Pfalz umgesetzt hat, zeigen auf, wie man über qualitätsorientierten Tourismus eine Stadt weiterentwickeln kann.
Die Initiativen zum barrierefreien Tourismus stellen ebenfalls einen wichtigen Baustein in/für Rheinland-Pfalz im Hinblick auf Nachhaltigkeit dar.

Nicht nur für das Außenmarketing ist es wichtig, Antworten auf die Frage zu finden, wie man einen umweltpolitischen Begriff wie “Nachhaltigkeit” für die Ansprache unserer (potentiellen) Gäste so übersetzt, dass deren Erwartungen und Bedürfnisse angesprochen werden und der Zusatznutzen erkennbar ist. Auch nach innen sollen die Möglichkeiten genutzt werden, z.B. über GreenMeetings etc., für das Thema zu sensibilisieren und dazu aufzurufen, Nachhaltigkeitsaspekte auch bei der Organisation von Veranstaltungen, der eigenen An-/Abreise zu Terminen etc. mit zu berücksichtigen. Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH (RPT) hat beispielsweise das 4. Barcamp Tourismusnetzwerk klimaneutral veranstaltet.

Dass Tourismus ganzheitlich betrachtet werden muss, um nachhaltig gestaltet zu werden, zeigen nicht nur Entwicklungen in Tourismushochburgen wie aktuell auf Mallorca und in Barcelona. Auch bei uns gilt es, diese Ganzheitlichkeit anzusetzen und auch die Bevölkerung z.B. stärker mit in die (tourismusrelevanten) Entwicklungen einzubeziehen. Denn wir gestalten die Räume nicht nur für unsere Gäste, auch müssen sich die Bewohner hier aufgehoben und wohl fühlen. Die aktuell in Arbeit befindliche Tourismusstrategie 2025 für Rheinland-Pfalz wird z.B. auch diesen Aspekt der Förderung des Lebensraumes für die lokale Bevölkerung durch den Tourismus aber auch die identifikationsstiftende Bedeutung der in der jeweiligen Region lebenden Menschen für den Tourismus (Authentizität) mit aufzeigen.

 




Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Autor(in)

Anja Wendling
Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH