20. September 2017

Halbjahresbilanz 2017: Auslandsmärkte und Städtetourismus

Wieder mehr als 2 Mio. Übernachtungen aus dem Ausland im ersten Halbjahr

Nach Rheinland-Pfalz kamen im ersten Halbjahr 2017 rund 770.000 ausländische Gäste, die etwas mehr als 2 Mio. Übernachtungen in den gewerblichen Betrieben im Bundesland generierten (ohne Privatvermieter). Rund ein Fünftel der Nachfrage stammt somit aus dem Ausland. Ein Top-Wert auch im Bundesländervergleich, von den Flächenländern liegt nur Hessen knapp darüber. Die Nachfrage aus dem Ausland stieg zwischen Januar und Juni 2017 in Rheinland-Pfalz damit um 1,8% bei den gewerblichen Übernachtungen (ohne Privatvermieter, Bundesdurchschnitt: +3,4%).

Die Niederlande, Belgien und die USA sind die TOP-Auslandsmärkte im ersten Halbjahr. Sie bringen Rheinland-Pfalz knapp zwei Drittel der ausländischen Übernachtungen (inkl. Privatvermieter). Während die Übernachtungsnachfrage aus dem Überseemarkt USA weiter zulegte (+7,7%) gab es aus Belgien und den Niederlanden leichte Rückgänge (-0,5% bzw. -1,3%). Auch die Übernachtungen aus Großbritannien, einem weiteren wichtigen Quellmarkt, waren rückläufig (-6,9%), ein Trend, der in Rheinland-Pfalz bereits in den Vorjahren zu beobachten war. Auch im gesamten Bundesgebiet stagniert die Nachfrage aus Großbritannien seit 2016 wieder. Ein Zusammenhang mit den Folgen der Brexit-Entscheidung liegt nahe, wenngleich der Bundesländervergleich kein einheitliches Bild zeigt. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Trend durch den Brexit weiter verstärkt wird.

Besonders positiv unter den TOP 10-Märkten entwickelten sich im ersten Halbjahr Polen (+31,5%), Österreich (+19,2%) und die Schweiz (+10,9%) – alle drei Märkte verzeichneten bereits 2016 gute Steigerungsraten (inkl. Privatvermieter). In Österreich und der Schweiz liegt das Reiseland Deutschland nach wie vor im Trend und die Reisenden erkunden immer mehr Destinationen. Sprachbarrieren existieren kaum, die kulturelle und räumliche Nähe sind weitere wichtige Aspekte. Davon profitieren auch die rheinland-pfälzischen Regionen. Nach jahrelangen Rückgängen aus dem US-amerikanischen Markt – bei steigenden bundesweiten Zahlen – scheint er sich 2017 in Rheinland-Pfalz zu stabilisieren. Ob dies bereits ein Zeichen für eine Trendumkehr ist, muss sich jedoch erst noch zeigen. Polen liegt auf einem deutlich geringeren absoluten Niveau, was die hohen Zuwachsraten etwas nivelliert. Zudem spielen bei der Nachfrage aus Polen und weiteren osteuropäischen Märkten nach wie vor berufliche Gründe eine teils große Rolle (Stichwort: Montage, Saisonkräfte).

Auf Regionsebene punkteten beim Incoming-Tourismus (inkl. Privatvermieter) vor allem Westerwald-Lahn (+14,9%), Ahr (+8,4%) sowie der Hunsrück (+7,6%). In der letztgenannten Region hat der Auslandstourismus eine besonders hohe Bedeutung: ein Drittel aller Übernachtungen werden von ausländischen Gästen getätigt. Damit weist der Hunsrück die höchsten Ausländeranteile an den Übernachtungen unter den Regionen auf. Auf Platz 2 liegt Mosel-Saar mit 30,2%. Die anderen Regionen folgen mit z.T. deutlichem Abstand.

Ein wichtiges Entscheidungskriterium für Gäste aus dem Ausland wird zunehmend die empfundene Sicherheit eines Landes. Globale und gesellschaftliche Unsicherheiten bremsen die weltweite Reiselust kaum, haben allerdings zu einer Verschiebung der Reiseströme geführt. Neben der Türkei, dem Nahen Osten und Nordafrika verbuchten auch Frankreich und Belgien sinkende Übernachtungszahlen. Europäischer Nutznießer des Sicherheitsbedürfnisses der Reisenden sind Spanien, aber auch Skandinavien, viele Balkanländer und Deutschland (besonders bei den Inlandsgästen).

Aufgrund der internationalen Berichterstattung über fremdenfeindliche Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte sowie Terroranschläge in Deutschland ist dieses Thema jedoch auch hierzulande angekommen. Es besteht die Gefahr einer Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit der Situation in der Reisedestination Deutschland. Vor allem Asiaten reagieren sensibel auf mögliche Unsicherheiten; sie sehen Deutschland sogar im Kontext mit Anschlägen in Paris und Brüssel. Allerdings sind in Rheinland-Pfalz bislang keine gravierenden Verschiebungen der Reiseströme erkennbar. Fakt ist: Die Ambivalenz in der Entwicklung nimmt zu, und es besteht weniger Gewissheit hinsichtlich künftiger Entwicklungen.

Städtekooperation Romantic Cities: Worms auf dem Vormarsch
Städtetourismus als Wachstumstreiber: sowohl bei inländischen und insbesondere bei ausländischen Gästen ist Städteurlaub beliebt. Und hier hat Rheinland-Pfalz viel zu bieten: Der Wormser und der Speyerer Dom, die Porta Nigra in Trier, Mainz als Great Wine Capital, Edelsteine in Idar-Oberstein, Neustadt an der Deutschen Weinstrasse oder Koblenz, wo Rheinromantik und Historie aufeinandertreffen, locken eine Vielzahl an Gästen nach Rheinland-Pfalz. Durch die Städtekooperation Romantic Cities werden die Städte des Bundeslandes durch gemeinsame Marketingmaßnahmen sowohl im In- als auch im Ausland besser wahrgenommen.

Spitzenreiter bei den Romantic Cities im ersten Halbjahr ist Worms mit einem Übernachtungszuwachs von 5,1% (inkl. Privatvermieter). Damit macht die Nibelungenstadt die leichten Verluste aus dem Vorjahr (-0,5%) wieder wett und entwickelt sich besser als der Bundeslanddurchschnitt. Auch Koblenz (+3,5%) und Mainz (+2,3%) steuern erneut auf ein gutes Jahresergebnis zu. Speyer verliert bei den inländischen Gästen, so dass die Stadt insgesamt weiterhin Übernachtungsrückgänge hat. Die ausländischen Märkte wachsen hier jedoch ungebremst weiter (+10,5%).

Bundesweit war der Städtetourismus im Vorjahr zum ersten Mal seit Jahren nicht der Wachstumstreiber. 2017 stabilisiert er sich jedoch wieder: In den ersten sechs Monaten stiegen die Übernachtungen in den Großstädten über 100.000 Einwohner um 3,6%. Die Beliebtheit von Kurzreisen, die Individualisierung der Gästewünsche und die hohe Erlebnisdichte deuten auch für die rheinland-pfälzischen Städte auf weiteres Wachstumspotenzial hin. Hier gilt es besonders über eine höhere Wertschöpfung je Gast und damit eine Steigerung der Gästeausgaben Akzente zu setzen.

Wissenschaftliche Beratung:
dwif-Consulting GmbH
Karsten Heinsohn, Anja Schröder




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Autor(in)

Anja Wendling
Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

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