14. September 2017

Halbjahresbilanz 2017: Dynamischer Jahresstart für Rheinland-Pfalz

Nach der Hälfte des Jahres zieht Rheinland-Pfalz eine positive Bilanz: 9,6 Mio. Übernachtungen in den rund 3.500 gewerblichen Beherbergungsbetrieben (ohne Privatvermieter) bedeuten ein Plus von 3,1% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wachstumstreiber war wie in den vergangenen zwei Jahren die Inlandsnachfrage mit +3,5%. Doch auch die Übernachtungen aus dem Ausland, die seit 2010 stagnieren, zogen mit +1,8 % wieder an. Damit platziert sich Rheinland-Pfalz im Mittelfeld der 16 deutschen Bundesländer, derzeit noch vor Baden-Württemberg, Bayern oder Berlin. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt (+6,5 %), wo das Reformationsjubiläum positive Impulse setzt.

Die Ankünfte im Bundesland stiegen mit +4,9% sogar noch etwas stärker. Somit besuchten rund 3,9 Mio. Übernachtungsgäste (gewerbliche Betriebe ohne Privatquartiere) Rheinland-Pfalz. Hinzu kommen rund 300.000 Gäste in Privatquartieren, die rund eine Million Übernachtungen tätigen, in den anderen Bundesländern jedoch nicht ausgewiesen werden. Damit steuert Rheinland-Pfalz bei den Übernachtungen und bei den Ankünften auf ein neues Allzeithoch zu.

Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz berücksichtigt im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern in seiner Berichterstattung Privatzimmervermieter und gewerbliche Kleinbetriebe mit weniger als zehn Betten. Das Statistische Bundesamt sowie alle anderen Statistischen Landesämter weisen die Ankünfte und Übernachtungen in Betrieben mit zehn und mehr Betten (sog. gewerblichen Betrieben) aus. Damit Vergleiche auf Bundesebene möglich sind, werden für das Landesergebnis von Rheinland-Pfalz nur die Betriebe ab zehn Betten (ohne Privatvermieter) einbezogen. Auf kleinräumiger Ebene (Regionen, Städte, Auslandsmärkte) sind die Daten inkl. Privatvermieter.

Innerhalb der ersten sechs Monate des Jahres gab es einige Verschiebungen: Die Monate April (+18,0%) und Juni (+19,2%) verzeichneten starke Zuwächse (ohne Privatvermieter). In den Monaten März (-8,4%) und Mai (-8,5%) hingegen gab es Verluste. Dies ist zu großen Teilen auf eine Verschiebung der Ostertage (2017: April, 2016: März) und der Pfingstfeiertage (2017: Juni, 2016: Mai) und damit zusammenhängender Ferien zurückzuführen.

Die Aufenthaltsdauer lag in Rheinland-Pfalz im ersten Halbjahr bei 2,4 Tagen. Damit liegt das Bundesland deutschlandweit im Mittelfeld. Die Küstenbundesländer weisen deutlich höhere Aufenthaltsdauern auf, stark durch Städtetourismus geprägte Bundesländer wie Hessen, Nordrhein-Westfalen oder die Stadtstaaten haben kürzere Aufenthaltsdauern.

Treiber der positiven Entwicklung in Rheinland-Pfalz waren allen voran die Campingplätze. Hier nahmen die Übernachtungszahlen im ersten Halbjahr um knapp 25% zu. Die Privatquartiere und die Vorsorge- und Rehakliniken hatten hingegen mit stärkeren Verlusten zu kämpfen.

Bei leicht steigenden Kapazitäten im ersten Halbjahr hat sich auch die durchschnittliche Bettenauslastung (ohne Privatvermieter) verbessert und liegt nun im Zeitraum von Januar bis Juni 2017 bei 27%. Allerdings ist hier noch Luft nach oben, da Rheinland-Pfalz damit weiterhin das Schlusslicht unter den Bundesländern bildet. Maßnahmen zur Saisonverlängerung sind und bleiben weiterhin wichtig. Hier hat Rheinland-Pfalz durch sein Angebotsspektrum gute Voraussetzungen (z.B. Aktiv, Wein, Kultur). Für eine Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft sind zudem stetige Investitionen notwendig. Über eine höhere Gästezufriedenheit und ein verbessertes Qualitätsniveau gilt es einerseits das Gästevolumen zu steigern und andererseits die betriebswirtschaftlich erforderlichen Preise durchzusetzen.

Sechs von neun Regionen mit Übernachtungszuwächsen
Die Regionen in Rheinland-Pfalz profitieren derzeit ganz unterschiedlich von der positiven Entwicklung: Westerwald-Lahn (+6,9%) sowie die Eifel (+6,5%) entwickelten sich bei den Übernachtungen (inkl. Privatquartieren) im ersten Halbjahr besonders dynamisch. Hervorzuheben sind die Zuwächse im Hunsrück (+3,8%), einer Region, die in den letzten Jahren verstärkt mit Rückgängen zu kämpfen hatte. Das Naheland (-2,3%) und die übernachtungsstärkste Region Mosel-Saar (-1,3%) mussten dagegen im ersten Halbjahr 2017 bei den Übernachtungen leichte Verluste hinnehmen. Nach mehreren Jahren kontinuierlicher Steigerung bleibt entlang der Mosel abzuwarten, ob sich das Ergebnis bis zum Jahresende wieder ins Positive kehrt, zumal die volumenstärksten Monate noch folgen. Angebots-/Produktentwicklung sowie die zielgruppen- und quellmarktspezifische Vermarktung sind neben den angesprochenen Qualitätsaspekten die Schlüssel. Hierfür sind Kooperationen innerhalb der Regionen und mit der Landesebene entscheidend, um bei den gegebenen Mitteln auch entsprechend Wirkung am Markt zu entfalten.

Erfreulich: Bei den Gästezahlen legten erstmals seit dem Jahr 2011 alle Regionen zu. Spitzenreiter ist hierbei die Eifel (+9,1%).

Lesen Sie im nächsten Marktforschungsartikel mehr über die Entwicklung der Auslandsmärkte sowie der Städtekooperation Romantic Cities.

Wissenschaftliche Beratung:
dwif-Consulting GmbH
Karsten Heinsohn, Anja Schröder




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Autor(in)

Anja Wendling
Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

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