26. Juni 2017

IHK und Romantischer Rhein mahnen Investitionen und Bürokratieabbau an

 Quo vadis, Mittelrheintal? Erstmals zeigt jetzt eine Untersuchung, dass die Zahl der Übernachtungsbetriebe dort in den kommenden Jahren weiter sinken wird – um 13 Prozent bis 2032. Die Industrie- und Handelskammer Koblenz und die Romantischer Rhein Tourismus GmbH haben die Betriebe in der Destination jüngst nach ihrer künftigen Entwicklung befragt. Demnach wird es in 15 Jahren nur noch 268 statt 308 gewerbliche Gastgeber geben.

„Ein Mix aus privaten und öffentlichen Investitionen ist notwendig im Mittelrheintal, um Gästezufriedenheit und die bei einem Drittel der Betriebe anstehende Unternehmensnachfolge zu sichern“, betont Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz. „Der Staat muss sich dabei dem Hemmnis der behördlichen Auflagen stärker annehmen.“

Denn in Folge des demografischen Wandels reduziert sich die Anzahl an Interessenten zunehmend. Immer weniger junge Menschen entschließen sich zu einer Ausbildung oder Tätigkeit in den gastgewerblichen Berufen. Und: Bürokratie, Vorschriften, eine mangelnde Infrastruktur – etwa auch die fehlende Rheinquerung – und der Bahnlärm erschweren es den Inhabern, Nachfolger für ihre Betriebe zu finden. IHK Koblenz und die Romantischer Rhein Tourismus GmbH fordern daher den Abbau bürokratischer Hürden und bessere Finanzierungs- und Förderungsbedingungen für Nachfolgeinteressenten.

Rund 60 Prozent der Hoteliers geben in der Befragung an, eine Betriebsnachfolge spiele innerhalb der nächsten zehn Jahre keine Rolle. Sieben Prozent der Inhaber haben die Nachfolge bereits erfolgreich geregelt. Besorgniserregender sei, so Jeanette Dornbusch, Geschäftsführerin der Romantischer Rhein Tourismus GmbH, die prognostizierte Entwicklung bei den Privatquartieren, also Pensionen und Ferienwohnungen. „Dieses Marktsegment wird sich bis 2032 nahezu halbieren, von rund 650 auf 325 Betriebe.“

Der Abbau von Investitionsstaus stellt die Branche in den kommenden Jahren vor eine enorme Herausforderung. 46 Prozent der Befragten geben an, um die Entwicklung des eigenen Betriebes stehe es schlecht. Laut Umfrage sind in den kommenden Jahren zudem bei rund einem Viertel der gewerblichen Betriebe keine oder nur sehr geringe Investitionen vorgesehen. Aus Sicht der IHK ein ernsthaftes Problem für die Angebotsstruktur der Region.

„Modernisierungen, Produktinnovationen und Umweltschutzmaßnahmen können wesentlich dazu beitragen, neue Zielgruppen anzusprechen. Es ist Kreativität gefragt, Angebote zu entwickeln, die nicht ‚0815‘ sind, sondern unverwechselbar. Gerade die historischen Ortskerne sind prädestiniert, unter Einbezug des Denkmalschutzes neue Konzepte zu entwickeln, auch vorausschauend auf eine mögliche BUGA 2031. Architektur und Design sollten dabei eine große Rolle dabei spielen“, erläutert Christian Dübner, IHK-Tourismusreferent. Jeanette Dornbusch ergänzt: „Ebenso spielen Klassifizierungen eine wichtige Rolle, etwa die Auszeichnung als wander- und fahrradfreundlicher Betrieb. Ohne ausreichende Investitionen wird sich die Region schwer tun, mit den Gästebedürfnissen Schritt zu halten.“

Die Tourismuswirtschaft in der Destination Romantischer Rhein zählt mit einem Bruttoumsatz von mehr als 1,07 Mrd. Euro zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. 18.620 Personen können rein rechnerisch ihren Lebensunterhalt durch den Tourismus am Mittelrhein bestreiten.

►Die Umfrage wurde durchgeführt durch die dwif-Consulting GmbH und kann bei der IHK Koblenz heruntergeladen werden.




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