5. Mai 2017

Digitalisierung, Tourismusstrategie, Instawalks uvm – Themen, des 4. Barcamps Tourismusnetzwerk am 27./28.04.2017

Am 27./28. April 2017 trafen sich nun bereits zum 4. Mal touristische Akteure, Veranstalter, Marketingexperten, touristische Leistungsträger und Gastgeber aus dem ganzen Land zum intensiven Austausch und visionären Denken in der Villa Belgrano in Boppard. Das Barcamp, welches von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH nun seit 2014 veranstaltet wird, hat keine vorgegebene Tagesordnung und lebt von der Offenheit und Flexibilität seiner knapp 100 Teilnehmer. Es steht unter dem Motto „WIR sind Tourismus in Rheinland-Pfalz“. Zum Thema wird das, was die Teilnehmer bewegt und worüber sie sich gerne mit anderen austauschen möchten. In einer offenen und ungezwungenen Atmosphäre finden sich Interessierte zu sogenannten „Sessions“ zusammen und können gemeinsam mit anderen zu den vorher selbst gewählten Themen diskutieren oder gerne auch selbst eine Session moderieren. Jeder kann – muss aber nicht – Themenvorschläge einbringen.

Die Barcamps haben gezeigt, das der Austausch und die Einbindung der verschiedenen Akteure über alle Ebenen, horizontal wie vertikal, sehr wichtig und gewinnbringend ist.
So wurden in diesem Jahr Schwerpunkte wie “digitale Entwicklung”, “Nachwuchsproblematik”, “Tourismusstrategie/Enquette-Kommission”, “BUGA 2031”, “Flusskreuzfahrt” uvm für den sogenannten Sessionplan eingebracht und diskutiert. Der gesamte Plan mit dem Überblick über die insgesamt 25 Sessionthemen ist hier eingestellt.

Ein gutes Bild, wie ein solches Barcamp abläuft, kann mich sich über dieses Video mit Impressionen und O-Tönen aus und zu dem Barcamp machen:

Im folgenden stelle ich – nur ein paar – Ergebnisse aus verschiedenen Sessions – kurz – vor:

Digitalisierung

Bei dieser Session ging es um die Frage, was die Digitalisierung für unsere alltägliche Arbeit im Tourismus bedeutet. Was heißt das eigentlich? Wie verändert die Digitalisierung unser Handeln? Sind wir schon digital? Und was ist mit analog? Die Diskussion hat viele Schlagworte hervorgebracht, die die Komplexität des Themas offenbaren. Es scheint schwierig zu sein, sich dem Thema systematisch zu nähern und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Die Schlagworte lassen sich verschiedenen Themenkomplexen zuordnen, die sich mit mehreren W-Fragen betiteln lassen:

1. Wer? GAST (Zielgruppe)
2. Was? CONTENT (Daten)
3. Wo? KANÄLE (Kontext)
4. Wie? CONTENTMANAGEMENT (Organisation)
5. Wann? ZEITPUNKT (Customer Journey)

Die Antworten auf diese Fragen sind von Ebene zu Ebene (Gastgeber/Leistungsträger, Ort, Region, Land) unterschiedlich, abhängig von der jeweiligen Aufgabe (Inspiration, Information, Vertrieb, Service vor Ort, Nachbereitung/Kundenbindung).

Den Rahmen bilden die politischen, organisatorischen und finanziellen Strukturen, die uns umgeben und das Bewusstsein für die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus.

In einer zweiten Session wurden die Herausforderungen der Digitalisierung für unsere alltägliche Arbeit tiefergehend beleuchtet, wobei hier allerdings die politischen, organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen ausgeklammert wurden, da sie sich nicht mittelbar ändern lassen.

Durch den Zielgruppenprozess Rheinland-Pfalz sind uns unsere Zielgruppen und ihre Bedürfnisse und Erwartungen bekannt. Hierauf aufbauend hat die RPT in ihrer Online-Strategie die Kanäle herausgearbeitet, in denen sich unsere Zielgruppen bewegen und in denen wir sie künftig auch erreichen möchten.
Das Ziel ist die ideale Ansprache des (potentiellen) Gastes in den digitalen Kanälen (und in den analogen).

Die Herausforderung wird nun sein herauszuarbeiten, welche Inhalte (Content) die Gäste zu welchem Zeitpunkt der Customer Journey in welchem Kanal suchen und benötigen. Die RPT wird dies im Rahmen einer Content Strategie herausarbeiten. Die Relevanz des Contents für den Gast ist von Ebene zu Ebene unterschiedlich (Gastgeber, Ort, Region, Land), abhängig von der Phase, in der sich der Gast bei seiner Customer Journey gerade befindet. Je näher er an der Reise ist, desto umfassender und präziser müssen die Informationen sein.
Zunächst wurde aufgezeigt, mit welchen Arten von Content wir umgehen und welche Quellen bzw. Erfassungstools wir dabei im Einsatz haben. Rheinland-Pfalz ist durch die dezentrale Pflege eines gemeinsamen digitalen Wissenaschatzes mit Hilfe von desklineR für Gastgeber, POIs, Veranstaltungen und Buchbares sowie mit outdooractive für Touren bereits recht gut aufgestellt. Das gilt vor allem auch für die Organisationsstruktur der Datenerfassung, die in dieser Form bundesweit einzigartig ist.
Eine der Herausforderungen wird nun sein, die erfassten Daten zunächst hinsichtlich ihrer Relevanz für die Zielgruppen zu kennzeichnen. Die RPT wird hier vorarbeiten und einen Vorschlag mit den desklineR– und Tourenplaner-Experten abstimmen.

Danach stellt sich die Frage, wie die geeigneten Selektoren definiert werden, damit die Zielgruppen auch tatsächlich den entsprechenden Content ausgespielt bekommen. Die Frage, wie man die Zielgruppe eigentlich erkennt, wenn sie sich in einem Kanal bewegt, wurde als zentraler Schlüsselfaktor herausgearbeitet. Mögliche Lösungsansätze sind Targeting, Nutzerkonten, Parameter-Übergabe, Einstiegs-Filter oder Wenn-Dann-Kriterien.

Nicht zuletzt bleibt als zentrale Herausforderungen viel Überzeugungsarbeit an der Basis. Wie schafft man es, angesichts der vorherrschenden Struktur an kleinen und privaten Unterkünften, überhaupt mehr Betriebe buchbar zu machen?

Tourismusstrategie 2025

Die Teilnehmer zeigen großes Interesse an dem Prozess der Tourismusstrategie 2025, sind zum Teil auch über den “Großen Arbeitskreis” mit eingebunden. Sie wünschen sich als Partner im rheinland-pfälzischen Tourismus mehr Transparenz und Informationen, gerade auch während der verschiedenen Prozessschritte, über die gemeinsame Plattform “Tourismusnetzwerk”.
Darüber hinaus hält man Themen fest, die den Teilnehmern in diesem Zusammenhang sehr wichtig sind mit dem Wunsch, dass diese Themen im Nachgang zum Barcamp den beteiligten Institutionen “Tourismusstrategie 2025” und Enquete-Kommission gespiegelt werden, wie z.B.
– sich als Destination auf die Kernkompetenzen und Stärken zu konzentrieren und diese weiter herausuzustellen statt Themenvielfalt
– verschiedene Aspekte in Zusammenhang mit Förderung
– Bedeutung des Tourismus als Wirtschafts- und Standortfaktor (Standortqualität) erkennen (ganzheitlicher Ansatz)
– visionär, zukunftsgerichtet und groß Denken und Wege zur Umsetzung bereiten

Gerne hätte man diese Themen direkt mit den Vertretern aus Politik und Ministerien diskutiert und plädiert dafür, dass auch für das nächste Barcamp Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz am 19./20.04.2018 wieder die politischen Vertreter gewonnen werden.

Flusskreuzfahrtschiffe auf Rhein und Mosel

In der Session wurde deutlich, dass es sich dabei um einen stark steigenden Markt handelt. Während es in den 70er Jahren auf dem Rhein z.B. nur wenige Flusskreuzfahrtschiffe gab, hat deren Anzahl zwischenzeitlich enorm zugenommen, Tendenz weiter steigend. Die Übernachtungen von diesen Gästen werden in keiner Statistik erfasst.
Vor allem die Orte an Rhein und Mosel haben ein sehr hohes Interesse an belastbaren Zahlen. Oftmals sind Steiger in privater Hand und die Orte können gar nicht von den Schiffen profitieren, halten aber die touristische Infrastruktur vor. Die Barcamp-Teilnehmer haben einige Fragen aufgeworfen, wie z.B.
– gibt es die Möglichkeit, z.B. bei einer kommunalen Abgabe, die Schiffe auch mit einzubeziehen per Übernachtungsbeitrag pro Passagier?
– gibt es die Möglichkeit, die Schiffe steuerlich stärker zu berücksichtigen, z.B. auch für den Ausbau der Steiger, die Vergrößerung/Instandhaltung der Schleusen etc.?

Snack Content

Dass die Herausforderung immer größer wird, die Aufmerksamkeit unserer Fans und Follower in den verschiedenen Kanälen mit all den vielen Informationen und Videos, Bildern auf den eigenen Inhalt zu lenken, ist uns allen bewusst, auch durch eigene Erfahrungen. Wie also gelingt es, den Bruchteil der Sekunde beim Sichten der Timeline unseren (potentiellen) Gast ausgerechnet bei unseren Inhalten innehalten zu lassen und ihn dafür zu gewinnen, sich mit diesen zu befassen und ihn zu teilen?

Snack Content steht für kurze, einprägsame Inhalte, die neugierig machen, auffallen, schnell geteilt werden können und unterhalten. Welche verschiedenen Arten es hier gibt (animierte GIFs, Vine, Memes uvm) und mit welchen Apps man solchen Snack Content produzieren kann, wurde in mehreren Praxisbeispielen direkt umgesetzt:

Snack Content zum Thema “Vortragsende beim Barcamp Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz. Die Zuhörer verschwinden”:

Snack Content: R(h)eingefallen

Instawalk Rheinland-Pfalz

Unter anderem für unsere “Familie Wolf” und für “Christiane und Matthias Urban” ist Instagram ein Dienst, den wir gerne zukünftig zum Teilen von Fotos und Videos mehr nutzen und besser vernetzen möchten. Die Idee, die mit den Barcampern entwickelt wurde, ist, eine Reihe “Instawalk Rheinland-Pfalz” mit entsprechender Staffel-Stabübergabe an den nächsten Partner zu entwickeln. Ziel ist es, durch diese gebündelte Kampagne die Sichtbarkeit im Gesamten über die verschiedenen Regionen und Themen und durch die Vernetzung für alle zu erhöhen. Was alles zu einem solchen “Instawalk Rheinland-Pfalz” neben dem shout out, den definierten Hashtags, jeweils einem attraktiven Programm mit dazugehöriger Möglichkeit zum Netzwerken, Transport etc. dazugehört, möchten wir gemeinsam mit den interessierten Partnern aus der Session zeitnah in einem kleinen Konzept erarbeiten und schließlich auch umsetzen. Hierzu kommen wir auf die Orte/Regionen/Betriebe, die gerne mitarbeiten möchten und an der gemeinsamen Umsetzung des Kampagnengedankens zu Instawalks Rheinland-Pfalz dabei sein möchten, nochmal gesondert zu (damit wir keinen vergessen: gerne nochmal unten im Kommentarfeld das Interesse bekunden oder eine kurze mail an wendling@gastlandschaften.de).

Marktforschung

Wir haben bereits jetzt eine Fülle von vorhandenen Daten.
Nutzen wir sie richtig? Sind es die relevanten Daten? Welche Daten fehlen? Welche Marktforschung wird konkret benötigt? Wer ist zuständig für die Marktforschung, deren Auswertung, Ableitungen und den Know How-Transfer?

Eine Fülle an Informationen und Daten haben Regionen und RPT durch die Auswertung der Marktforschung aus
– GfK Destinationsmonitor (die Basis für die potentialträchtigsten Urlaubertypologien für Rheinland-Pfalz und repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung in Deutschland ab 0 Jahren)
und
– der Studienreihe DestinationBrand (die Basis für die Themenpriorisierung für Rheinland-Pfalz und repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung in Deutschland zwischen 14 und 74 Jahren) aufbereitet als Infografiken, Checklisten, Erklärvideos etc.
Diese gilt es, in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren, um die sich ändernden Erwartungen und Bedürfnisse unserer Gäste frühzeitig zu erkennen und agieren zu können. Dennoch stellen sich darüber hinaus grundsätzlich viele Fragen, z.B.:
– In welchem Rhythmus muss dies Aktualisierung in Bezug auf “Werte”, “Erwartungen” etc geschehen?
– Können solche tiefgehenden Daten auch für unsere ausländischen Gäste erhoben werden und wie kann dies finanziert werden?
– Wie können wir den grauen Markt besser abbilden?
– Wie kann man das Verhalten, die Wege und die Erwartungen unserer Tagesgäste zuverlässig erheben und aktuell halten?

Viele Instrumente und Tools werden schon genutzt, wie z.B. TrustYouScore, google Analytics, Auswertungen desklineR und Tourenplaner, Statistisches Landesamt, Destinationsmonitor etc. Dennoch lautet das Fazit dieser Session, dass man auch hier u.a.
– den gezielten Einsatz gemeinsamer Techniken
– die Aufgabenteilung “Wer erhebt und wertet was für wen aus?”
– die Finanzierung der Marktforschung
– gemeinsame Indikatoren
– Gewährleistung des Know-How-Transfers über alle Ebenen
definieren muss mit dem Ziel, auch hierüber Budget-, Zeit- und Personaleinsatz zu optimieren und zielgerichtet agieren zu können.

Und darüber hinaus: das Barcamp Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz wurde klimaneutral veranstaltet

Für das 4. Barcamp haben wir den CO2-Fußabdruck berechnen lassen: Anhand der Mobilität unserer Teilnehmer, Veranstaltungsort, Übernachtungen, Catering, eingesetzte Printmaterialien, Abfall, Abwasser, Binnenschifffahrt wurden alle direkten und indirekten Emissionen, die durch die Durchführung des Barcamps anfallen, in CO2-Äquivalente umgerechnet. Wir haben 9,25 t CO2e ausgeglichen und in zwei Klimaschutzprojekte investiert:

a. Reduzierung von Rauchgasemissionen in Kenia
Rauchgasbedingte Emissionen stellen in Kenia ein erhebliches Klima-, Umwelt- und Gesundheitsproblem dar. In den ländlichen und abgelegenen Regionen Kenias wird bis heute überwiegend mit Holz oder Holzkozhle gekocht, betroffen hiervon ist auch das einfache Abkochen von Wasser. Die Brennstoffe werden in der Regel sehr ineffizient genutzt. Im Rahmen des Projektes werden pro Jahr ca 100.000 Kochöfen produziert, die deutlich weniger Brennstoff benötigen, sowie eine Vielzahl an verschiedenen Wasserfiltern verteilt. Brennstoffe werden so zum einen deutlich effizienter genutzt oder im Falle der Wasserfilter sogar vollständig substituiert. Das Merkmal des Projektes ist die Bündelung von verschiedenen Ansätzen zur Emissionseinsparung. Auch profitiert die Bevölkerung von einer deutlichen Verringerung der Rauchgase.

b. Buchen-UrWald, Waldakademie Hümmel
Nicht heimische Nadelbäume werden in Wershofen (Landkreis Ahrweiler) zugunsten von Laubwäldern zurückgedrängt, es wird auf Chemie und Vollerntemaschinen verzichtet mit dem Ziel, alte Laubwälder aufzubauen, die die Funktion der Urwälder wieder übernehmen können. Um hierüber den Lebensraum z.B. für 3.000 Insekten- und Pilzarten zu schaffen, der in bewirtschafteten Wäldern weitestgehend fehlt. Erste Erfolge sind zu verzeichnen: im Gemeindewald konnten der Schwarzspecht, Mittelspecht und Schwarzstorch sowie die scheue Wildkatze schon beobachtet werden. Zur Kompensation der entgangenen Holzerlöse durch den Nutzungsverzicht  und die dauerhafte Rettung der alten Bäume konnte hier ein Beitrag geleistet werden.

 

Feedback und Ausblick

Die Feedbackrunde zeigt:
– es soll ein 5. Barcamp Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz geben
– der Austausch in den Sessions, aber auch in den Pausen und bei der Abendveranstaltung ist sehr wertvoll
– das Barcamp soll auch weiter über zwei Tage veranstaltet werden
– es soll bei den Wochentagen Donnerstag/Freitag bleiben
– jeder versucht, weitere Teilnehmer aus Politik und von der Betriebsebene zu gewinnen

Gemeinsam wird der 19. und 20. April 2018 als der Termin für das 5. Barcamp Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz festgelegt. Bitte Termin vormerken und fest im Kalender eintragen!

Es bleibt mir nur noch DANKE zu sagen

  • an alle Teilnehmer – die das Barcamp zu dem machen, was es ist! Toll!
  • an die Tourismusakademie Rheinland-Pfalz und die Mitarbeiter der Villa Belgrano, die uns
    gemeinsam mit
  • dem (Orga-)Team der RPT
    ein tolles Umfeld geschaffen haben, in dem wir uns sehr wohl gefühlt haben!
  • an die Kooperationspartner
    Feratel Schweiz AG (Premium-Kooperationspartner seit 2014)
    shapefruit (Basis-Kooperationspartner seit 2014)
    Mahlow Media (Basis-Kooperationspartner seit 2015)
    BS2 Systemhaus (Basis-Kooperationspartner seit 2017)
    die mit ihrer Unterstützung maßgeblich dazu beitragen, dass wir das Barcamp so in diesem Rahmen organisieren können!

www.barcamp.tourismusnetzwerk.info

Impressionen

 




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Anja Wendling
Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

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