26. November 2015

Mainz – ein Blick, viele Ansichten

Die Landesdenkmalpflege und das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) begeben sich mit der aktuellen Sonderausstellung auf stadthistorische Spurensuche

Die Sonderausstellung „Mainz – ein Blick, viele Ansichten“ wird am Abend des 26. Novembers 2015 in der Kirche St. Peter eröffnet. Die Eröffnungsfeier ist zugleich die offizielle Abendveranstaltung des ICOMOS-Kolloquiums, das zum 50-jährigen Jubiläum im Mainzer Rathaus tagt. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) wurde 1965 in Warschau gegründet und noch im gleichen Jahr das Deutsche Nationalkomitee von ICOMOS in Mainz.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen denn auch viele Mainzer Wahrzeichen. „Denkmäler sind Wahrzeichen einer Stadt, sie sind ein Teil unserer kulturellen Identität. Daher ist es besonders wichtig, mehr über sie und ihr bauliches Umfeld zu erfahren. Das Landesmuseum und die Landesdenkmalpflege tragen mit ihrer Ausstellung dazu bei, dass die Besucher an den herausragenden Kulturgütern ihrer Stadt teilhaben können. So werden 250 Jahre Mainzer Stadtgeschichte lebendig“, sagt Christoph Kraus, Abteilungsleiter Kultur des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur.

Der Martins-Dom, das Kurfürstliche Schloss oder auch der legendäre Holzturm als Teil der einstigen Stadtbefestigung sind berühmte und geschätzte Wahrzeichen der Stadt Mainz. Und das schon seit Jahrhunderten. Aber Vorsicht. Nicht immer sahen die Baudenkmäler so aus, wie wir sie heute kennen. Allein der Dom hatte schon die unterschiedlichsten Türme, Kuppeln oder Farbtöne. „In den letzten Jahrhunderten wandelten sich die Mainzer Baudenkmäler zum Teil in erstaunlicher Weise und verändern so auch immer wieder das Stadtbild“, erklärt Generaldirektor Thomas Metz von der GDKE. „Mainz – ein Blick, viele Ansichten“ heißt denn auch die kommende Ausstellung im Landesmuseum Mainz, die sich auf eine stadthistorische Spurensuche begibt und zum Teil überraschende Ansichten präsentiert. „Der Ausstellungstitel ´Mainz – ein Blick, viele Ansichten´ passt wunderbar zu den Grundsätzen moderner Denkmalpflege. Denn für uns ist es besonders wichtig, viele Perspektiven auf das Denkmal und seine Erhaltungsmöglichkeiten zu berücksichtigen. Die neue Ausstellung im Landesmuseum gewährt den Besuchern tiefe Einblicke in die Arbeitsweisen der Denkmalpfleger. Sie liefert anhand spektakulärer Objekte Hintergründe zu Baumaßnahmen, die das Mainzer Stadtbild nachhaltig geprägt haben“, so Dr. Roswitha Kaiser, Leiterin der Direktion Landesdenkmalpflege der GDKE.
Initiator, Ideengeber und Kurator der Ausstellung ist Dr. Joachim Glatz. „Der Gang durch die Ausstellung zeigt Entwicklungen auf und gewährt Einblicke in die Stadtgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen. Die Ausstellung ist keine Retrospektive, sondern behandelt gleichermaßen Vergangenheit und Gegenwart des Mainzer Stadtbildes. Wir möchten daran erinnern, dass die Stadt, ihre Entscheidungsträger und alle Bürger gemeinsam Verantwortung dafür tragen, wie unser Mainz den künftigen Generationen hinterlassen wird“, erläutert der ehemalige Landeskonservator.

Achtzehn Themeninseln wurden in den letzten Monaten gemeinsam mit der Landesdenkmalpflege ausgewählt. 150 Objekte zeigt das Landesmuseum in der umfangreichen Ausstellung vom 27. November 2015 bis 6. November 2016. „Ich freue mich ganz besonders, dass wir auch viele Kostbarkeiten aus unseren Depots präsentieren“, ergänzt die Direktorin des Landesmuseum Mainz, Dr. Andrea Stockhammer: Ölgemälde, Druckgraphiken, Modelle historischer Gebäude, Originalteile von niedergelegten Gebäuden und alte Fotografien. Darunter in einer befristeten Sonderpräsentation die berühmte Mainz-Ansicht von William Turner, ein empfindliches Aquarell, das nur ganz selten ausgestellt wird, sowie Blätter mit Mainz-Ansichten des Franz von Kesselstatt aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Um den vielen unterschiedlichen Baudenkmälern gerecht zu werden, wechseln Themen und Bildmotive in regelmäßigen Abständen, auch aus konservatorischen Gründen, um die zum Teil kostbaren Originale nicht zu gefährden. So produziert die Ausstellung selbst immer wieder unterschiedliche Ansichten. Historische Bilder und Aufnahmen stehen jeweils den aktuell fotografierten Objekten gegenüber. Als Einleitung werden zudem historische Stadtpläne vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart gezeigt.

„Mainz – ein Blick, viele Ansichten“ wird umrahmt von einem umfangreichen Begleitprogramm. Vorträge, Führungen und Diskussionsrunden setzen sich mit unterschiedlichen Fragestellungen auseinander: Wann wird ein Bauwerk zum Denkmal? Wie rettet man Baudenkmäler vor dem Verfall? Wie baut man zerstörte Gebäude wieder auf? Auch hier gibt und gab es zu allen Zeiten unterschiedliche Ansätze, aber auch intensive Diskussionen. Die Ausstellung bietet Beispiele einer interpretierenden, aber auch einer konservierend-bewahrenden Denkmalpflege. Wie interdisziplinär ist heute Denkmalpflege aufgestellt und wie arbeiten Architekten und Denkmalpfleger heute zusammen?

Medienpartner der Ausstellung ist die Allgemeine Zeitung Mainz. In Zusammenarbeit mit der AZ wird während der Ausstellungslaufzeit jeweils ein Baudenkmal des Monats vorgestellt.
Alle Bewohner und Gäste von Mainz können zudem an kreativen Stadtrundgängen teilnehmen. Initiiert werden sie von Studentinnen und Studenten von Prof. Emil Hädler (FH Mainz). Das Motto lautet „Urban Sketching“ und bedeutet, sich einfach irgendwo hinzusetzen und zu zeichnen, was einem gerade ins Auge fällt. Ergänzende Kreativangebote sowie neu konzipierte Führungen erweitern den Ausstellungsbesuch. So etwa eine Stadt-Rallye, bei der Familien mit Kindern, Jugendliche und Schulklassen eine Entdeckungstour durch Mainz an den Originalschauplätzen mit einem „Reisepass“ erleben.

Weitere Kooperationspartner sind der Mainzer Altertumsverein, der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, das Stadtarchiv Mainz, das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz sowie mainzplus CITYMARKETING.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in der Wernerschen Verlagsgesellschaft Worms, der die unterschiedlichen Mainz-Ansichten abbildet und die Geschichte des Umgangs mit unserem architektonischen Erbe nachzeichnet. Die Ausstellung versteht sich außerdem als Beitrag zum Rheinhessen-Jubiläum 2016, denn Mainz wurde 1816 Verwaltungssitz der damals neu gegründeten Provinz bzw. des Regierungsbezirks Rheinhessen.




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