28. Oktober 2015

Beschleunigte Nutzung der Gesundheitskarte durch das E-Health-Gesetz

Seit Beginn des Jahres (01.01.2015) ist die elektronische Gesundheitskarte der einzige gültige Berechtigungsnachweis für die Inanspruchnahme von Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen. Durch das “E-Health-Gesetz” sollen Anreize für Ärzte und Krankenkassen geschaffen werden die geplante Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen voranzutreiben. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung: “Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen” (Gesetzentwurf E-Health) wurde am 3. Juli 2015 in erster Lesung im Bundestag diskutiert.

Ziele des E-Health-Gesetzes

Das Gesetz verfolgt insgesamt 5 konkrete Ziele: Das vorrangige Ziel des E-Health-Gesetzes ist (1) die beschleunigte Einführung verschiedener Anwendungen der Gesundheitskarte. Zu diesen Anwendungen gehören zum Beispiel ein Notfalldatensatz und ein Medikationsplan, welche auf der Gesundheitskarte gespeichert werden können. Ein weiteres Ziel ist (2) die Etablierung der Telematikinfrastruktur zur sicheren Kommunikation im Gesundheitswesen. Darüber hinaus sollen (3) die Strukturen und Kompetenzen der Gesellschaft für Telematik verbessert und erweitert werden. (4) Die Zusammenarbeit der Informationssysteme im Gesundheitswesen optimiert und (5) telemedizinische Leistungen gefördert werden.

Laut einer im September 2015 veröffentlichten Umfrage im Auftrag des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (bitkom) wünscht sich “eine große Mehrheit der Deutschen”¹ weitere Funktionen der Gesundheitskarte. So gaben über 80 % der 1.249 Befragten an, auf der Gesundheitskarte sollten auch Informationen zur Blutgruppe, Allergien und Medikamentenunverträglichkeiten gespeichert werden¹.

Anreize zur beschleunigten Umsetzung

Um die Nutzung der Gesundheitskarte zu beschleunigen, sieht das E-Health-Gesetz eine finanzielle Vergütungen für Ärzte vor, welche die Anwendungen der Gesundheitskarte verwenden. So erhalten Ärzte und Zahnärzte einen Vergütungszuschlag, sofern sie eine elektronische Patientenakte anlegen und pflegen. Auch die elektronische Übermittlung von Arztbriefen und das erstellen von Notfalldaten durch Ärzte und Krankenhäuser wird vergütet. Ab Juli 2018 drohen Ärzten und Zahnärzten Kürzungen der Vergütung, wenn diese keine Onlineprüfung der Versichertenstammdaten vornehmen. Die Einhaltung der im Gesetz vorgesehenen Fristen durch die an der Organisation beteiligten Gesellschaften (GKV-Spitzenverband, Kassenärztliche- & Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung) soll durch angedrohte Haushaltskürzungen bei diesen Gesellschaften gewährleistet werden.

Eine Studie der Universität Augsburg² hat die Auswirkung von diesem institutionellen Druck auf die Einführung von E-Health Programmen untersucht. Ziel der Studie war es herauszufinden, inwiefern sich institutioneller Druck auf die Resistenz der Ärzte gegenüber einer elektronischen Gesundheitskarte auswirkt. Die Befragung von 351 Ärzten in Deutschland ergab, dass die durch das E-Health-Gesetz festgelegten Vergütungen zielführend sind. Die festgeschriebenen Vergütungen haben einen signifikant positiven Effekt auf den, von den Ärzten, wahrgenommen Wert der Gesundheitskarte. Jedoch kann institutioneller Druck auch negative Auswirkungen haben. So neigen Ärzte, welche sich zur Nutzung der Gesundheitskarte gezwungen fühlen, zu einer erhöhten Resistenz gegenüber der Implementierung des neuen Systems. Um diese Resistenz zu vermeiden, legt die Studie nahe mimetischen Druck aufzubauen. Dabei wird die Tendenz strukturell gleich Organisationen zu imitieren genutzt, um die Ärzte auf freiwilliger Basis an die neue Technik heranzuführen².

Weitere Informationen zum E-Health-Gesetz finden Sie auf der Internetseite des Bundesministerium für Gesundheit.


¹ Bitcom (Hrsg.) (2015): Überwältigende Mehrheit will zusätzliche Funktionen der elektronischen Gesundheitskarte. Abrufbar unter: http://www.bitkom-research.de/epages/63742557.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/63742557/Categories/Presse/Pressearchiv_2015/Ueberwaeltigende_Mehrheit_will_zusaetzliche_Funktionen_der_elektronischen_Gesundheitskarte (letzter Abruf: 14.10.2015)

² Kloecker, P., Bernnat, R., u. Veit, D. (2014): Implementation through Force or Measure? How Institutional Pressures Shape National eHealth Programs. In:  European Conference on Information Systems (Hrgs.) (2014): Proceedings of the 22nd European Conference on Information Systems (ECIS), 9.-11. June 2014.  Abrufbar unter: http://aisel.aisnet.org/ecis2014/proceedings/track09/9/ (letzter Abruf 13.10.2015)




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Autor(in)

Jeanette Dornbusch
Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

Tourismus- und Heilbäderverband e.V.

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