10. Juli 2014

Angebote im Gesundheitstourismus müssen differenzierter werden

Eine Bestandsanalyse der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) beurteilt die Gesundheitstouristischen Angebote in Deutschland als undifferenziert und zu wenig Nachfrageorientiert. Die Studie des Projekts GTM Networking wurde anlässlich des 2. Gesundheitstourismus-Kongress vorgestellt.
Die Analyse von gesundheitstouristischen Angeboten im Onlinevertrieb zeigt: das Angebot ist einseitig auf Wellness und Erholung ausgerichtet. Zudem werden die verschiedenen Typen der Gesundheitstouristen verkannt. Dadurch wird die Nachfrage zum Teil nicht bedient, es wird nicht das gesamte Potential des Marktes genutzt.

Die Studie – eine deutschlandweite Bestandsanalyse

Studierende des Studiengangs Gesundheits- und Tourismusmanagement an der HfWU haben eine deutschlandweite Bestandsanalyse der Gesundheitstouristischen Angebote durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden auf dem 2. Gesundheitstourismus-Kongress präsentiert. Ziel des Projektes war es einen Marktanalyse durchzuführen und somit einen Marktüberblick zu ermöglichen. Für die Studie wurden im Frühjahr 2014 über 2.500 Webseiten mit gesundheitstouristischen Angeboten betrachtet. In die Deutschlandweite Bestandsanalyse wurden 1279 Angebote einbezogen.

20% (251) dieser Angebote werden auf nationaler Ebene angeboten. Die Bundesländer vermarkten 80% (1028) der Angebote. Die 1028 erfassten Angebote auf Länderebene werden jedoch zu 49% von den Bundesländern Brandenburg (22%) und Bayern (27%) vermarktet. In Rheinland-Pfalz werden 6% (62) der erfassten Angebote vermarktet. Im quantitativen Vergleich der Bundesländer bezüglich der Angebote im Gesundheitstourismus belegt Rheinland-Pfalz damit den 6. Platz.

Wellness-Tourismus-Angebote dominieren den Markt

Der Wellness-Tourismus ist die dominierende Art des Gesundheitstourismus. 63% (über 800 von 1279) der Angebote sind Wellnessangebote, weitere 15% sind Medical-Wellness Angebote. Darauf folgt der Gesundheitsorientierte Tourismus mit 10% und der Kurtourismus mit gerade mal 4% von allen Angeboten der Bestandsanalyse. Ähnlich undifferenziert sind die Angebote hinsichtlich ihrer Kategorie, so steht bei 54% der Angebote die Entspannung im Fokus.

Eine Zentrale Erkenntnis der Bestandsanalyse lautet:

„Der Großteil der untersuchten Angebote sind Wellness-Pauschalen, die sich kaum voneinander unterscheiden.“

(Quelle: Betsch, K., L. Klink und M. Schur 2014)

Zentrale Erkenntnisse der Studie

Die Anzahl der Angebote sei zwar hoch, die Angebotsdifferenzierung jedoch mangelhaft heißt es im Fazit des Vortrags zur Bestandsanalyse des Gesundheitstourismus in Deutschland. Darüber hinaus wird die Anpassung der Angebote an die Nachfrage kritisiert. Das Angebot sei noch nicht an die verschiedenen Gesundheitstourismus-Typen1 angepasst. Eine Anpassung des Angebots an diese Typen sei Voraussetzung um eine Steigerung der Vertriebszahlen zu ermöglichen.


1Die Typologie der Gesundheitstouristen geht zurück auf eine tiefenpsychologischen Typisierung durch den Diplom-Psychologen Michael Schütz aus dem Jahr 2012. Auf dem 1. Gesundheitstourismus-Kongress präsentierte Herr Schütz  Sechs verschiedenen Typen: Selbst-optimierer, Ausgebranter, Achtsamer, Unbedarfter, Unzufriedener, Unentschlossener. Weiter Informationen zur Typologie der Gesundheitstouristen sind der Präsentation von Herr Schütz zu entnehmen: Wie Gesundheitstouristen wirklich „ticken“ oder in der Zusammenfassung des 1. Gesundheitstourismus-Kongress nachzulesen.


 

Quellen:

Betsch, K., L. Klink und M. Schur (2014): Bestandsanalyse des Gesundheitstourismus in Deutschland 2014. Internet: http://gesundheitstourismus-kongress.de/wp-content/uploads/2014/07/GTM-Kongress_Bericht_Bestandsanalyse2_2014.pdf (08.07.2014).

Weitere Informationen:

Vorträge des 1. Gesundheitstourismus-Kongress

Vorträge des 2. Gesundheitstourismus-Kongress

 




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Jeanette Dornbusch
Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

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