24. September 2012

Sparkassen-Tourismusbarometer 2012

Nachhaltigkeit gewinnt im Rheinland-Pfalz-Tourismus an Bedeutung

Nachhaltigkeit und Umweltschutz gewinnen in der Tourismusbranche zunehmend an Bedeutung. Dies spiegeln die Ergebnisse des rheinland-pfälzischen Sparkassen-Tourismusbarometers wider, die heute in Budenheim bei Mainz vorgestellt wurden. An der Veranstaltung, die bereits zum 5. Mal stattfand, nahmen mehr als 200 Teilnehmer aus Politik, Touris­mus und Wirtschaft teil. Initiiert und finanziert haben die Analyse und die Ergebnispräsentation der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz und das Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz. Das Tourismusbarometer legt 2012 ein besonderes Augenmerk auf den Bereich Nachhaltigkeit und analysiert die aktuelle Lage und die Perspektiven der überwiegend mittelständisch geprägten Tourismuswirtschaft, deren Partner die Sparkassen sind.

In ihrer Begrüßung stellte Sparkassenpräsidentin Beate Läsch-Weber deshalb klar: „Für Rheinland-Pfalz ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschafts- und Beschäftigungsmotor. Insgesamt finden mehr als 190.000 Erwerbstätige in Rheinland-Pfalz direkt oder indirekt durch den Tourismus Beschäftigung. Jeder zehnte Arbeitsplatz im Land hängt vom Tourismus ab. Das heute vorgestellte Tourismusbarometer ist unser Beitrag zur Stärkung der heimischen Wirtschaft und zur weiteren Entwicklung von Rheinland-Pfalz zu einer touristisch nachhaltig erfolgreichen Region.“

Für Uwe Hüser, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium von Rheinland-Pfalz, ist das Tourismusbarometer ein wichtiger Gradmesser für den Zustand der Tourismusbranche im Land. „Der Tourismus erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von 7,6 Mrd. Euro. Er trägt auch ganz entscheidend zu einer Erhöhung der Attraktivität und der Lebensqualität der einzelnen Regionen und damit zur Sicherung des Lebens-, Wohn- und Wirtschafts­standortes Rheinland-Pfalz bei. Nutzen Sie das diesjährige Tourismus-Forum als Informations- und Netzwerkplattform“, rief Hüser die Gäste auf. Die Erfahrungen bereits nachhaltig agierender Betriebe zeigten, dass sich deren Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessere und sie sich neue zahlungskräftige Zielgruppen erschlossen hätten, so der Staatssekretär weiter.

Prof. Mathias Feige, Geschäftsführer der dwif-Consulting GmbH, berichtete über die aktuelle Lage des Tourismus, der in Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren messbar an Schwung gewonnen habe. In fast allen Regionen und Segmenten seien Zuwächse zu verzeichnen. Zudem ließen sich die positiven Effekte so herausragender Veranstaltungen wie der Bundes­gartenschau 2011 in Koblenz weit über dieStadtund die Region Koblenz hinaus nachweisen. Basis für den Erfolg seien, so Feige, die besonders intensiven Bemühungen der Tourismuswirtschaft sowie der Verantwort­lichen in den Regionen um eine stetige Verbesserung des Angebotes sowie der Servicequalität. “Rheinland-Pfalz setzt bei einigen Qualitätslabels in Deutschland klar Maßstäbe”, freut sich Feige. Aufgabe der nächsten Phase der Tourismusentwicklung sei es nun, durch innovative Produkte die Ausgabenfreude der Touristen zu erhöhen, damit  die steigende Nachfrage noch stärker die Kassen der Unternehmen klingeln lasse.

Die Ergebnisse des diesjährigen Schwerpunktthemas „Nachhaltigkeit im Rheinland-Pfalz-Tourismus“ stellte Markus Seibold, Senior-Consultant des dwif, vor. Nachhaltige Konsum- und Lebensstile seien auch im Tourismus angekommen und bildeten heute keinen Widerspruch mehr zu Erholung, Luxus und Vergnügen. Jeder fünfte Deutsche lege auch im Urlaub hohen Wert auf körperlich-seelisches Wohlbefinden sowie ökologisches Bewusstsein, sagte Seibold. Für das Urlaubsland Rheinland-Pfalz bedeute dies ein Potenzial von drei Millionen Personen, die nachhaltig gestalteten Reiseangeboten interessiert gegenüberstünden. Diese „bewusst“ Reisenden bevorzugten „grüne“ Reiseziele, reagierten stark auf Umwelt­siegel und Zertifizierungen und würden für attraktive und überzeugende Angebote in diesem Segment mehr ausgeben, erläuterte Seibold. Bis zu 29 Euro mehr pro Person und Urlaubstag (für An- und Abreise, Übernachtung und Verpflegung) wäre ihnen ein nachhaltig gestaltetes Angebot wert. Um diese Potenziale auszuschöpfen, müssten Produkt und Marketing jedoch den besonderen Mehrwert hervorheben und den außergewöhnlichen Erlebnischarakter betonen.

Das aktuelle Tourismusbarometer belegt eine wachsende Umwelt­orien­tierung der Gastgewerbebetriebe und Freizeiteinrichtungen in Rheinland-Pfalz: Zwei Drittel von ihnen investierten in den vergangenen drei Jahren vermehrt in energie- und umweltrelevante Bereiche, mit steigender Tendenz. Hauptfinanzierungspartner sind die Sparkassen mit einem Marktanteil von 50 Prozent bei den Krediten an die Tourismus­branche. Energieeinsparung ist und bleibt dabei ein Investitions­schwerpunkt. Dabei findet das Gros umweltrelevanter Investitionen bei Klein- und Mittelbetrieben mit einem Kapitaleinsatz unter 10.000 Euro statt. Allerdings nutzte nur jeder siebte investierende Gastgewerbebetrieb dazu Fördermittel, bei den Freizeiteinrichtungen war es dagegen jede Dritte.

Erst nach und nach entdecke die Tourismusbranche das Marketing für nachhaltig gestaltete Produkte, erläuterte Seibold. Die aktuellen Rheinland-Pfalz-Produktlinien WanderWunder, RadHelden, WeinReich und IchZeit stünden zwar bereits für eine nachhaltig gestaltete Angebotsentwicklung, die Betriebe sollten sich hier aber noch stärker engagieren, um die vorhandenen Gästepotenziale weiter auszuschöpfen, empfahl Seibold den Touristikern. Der Mehrwert eines nachhaltigen touristischen Angebots müsse noch stärker betont werden.

Auch für Gereon Haumann, Präsident des Dehoga Rheinland-Pfalz, ist kommunizierbares Umweltmanagement längst mehr als ein positiver Imagefaktor. „Immer öfter ist der Nachweis des eigenen Umweltmana­gements inzwischen ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl eines Hotels oder eines touristischen Betriebs“, betonte Haumann. Mit einem praktikablen und finanzierbaren Umweltcheck unterstütze der Dehoga die Branche bei der Erbringung des von den Gästen nachgefragten Nachweises im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes, so Haumann bei der Vorstellung des Zertifizierungstools.

Welche Erfolge durch eine nachhaltige Ausrichtung des eigenen Betriebs erzielt werden können, verdeutlichten vier Beispielbetriebe, die ihr Engagement für die Umwelt vorstellten.

Menschels Vitalresort in Bad Sobernheim

So hat das in Bad Sobernheim ansässige familiengeführte Wellness-, Fasten- und Bio-Hotel Menschels Vitalresort sein Betriebskonzept komplett auf die Bedürfnisse eines nachhaltigen Tourismus umgestellt: Vom Einsatz überwiegend regional und biologisch erzeugter Lebensmittel in der Gastronomie, über bauökologisch gestaltete Innenräume und Gästezimmer bis hin zum biologisch zertifizierten Hotelgarten, die Gäste des Hotels erwartet ein nachhaltiges Erlebnis. Als erster Betrieb deutschlandweit wurde Menschels 2011 vom Deutschen Wellnessverband mit dem Green Spa Award für Nachhaltigkeit im Wellnesssektor ausgezeichnet. Weitere Investitionen sind bereits geplant. Aktuell ersetzt der Betrieb seine fünf in die Jahre gekommenen, dezentralen Öl- und Gasheizungsanlagen durch eine Hackschnitzelheizung und entlastet so die Umwelt um schädliches CO2. Finanziert wird diese energetische Sanierung durch die Sparkasse Rhein-Nahe, die das Hotel als Hausbank auch über die staatlichen Fördermöglichkeiten beraten hat. Willkommener Nebeneffekt der Investition für das Hotel: Dem Unternehmen stehen zukünftig dank der Einsparung der bisher konventionellen Energieträger rund 8.000 Euro für Neuinvestitionen in Qualität und Umweltschutz zur Verfügung.

Zoo Landau

Als Exot unter den Vorreitern einer nachhaltigen Tourismusentwicklung sieht sich Dr. Jens-Ove Heckel, Direktor des Landauer Zoos: „Die Bedeutung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit können Zoos ihren Besuchern unabhängig von Alter und Herkunft besonders eindrucksvoll verdeutlichen.“ Mit seinem Leitbild zur Entwicklung hin zu einem ganzheitlichen Arten-, Naturschutz- und Umweltbildungszentrum arbeite der Zoo daran, seine eigenen negativen Einflüsse auf die Umwelt konsequent zu reduzieren.

Erklärtes Ziel ist das Erreichen der Klimaneutralität. Über ein Drittel der anfallenden CO2-Emissionen stammt aus dem Anreiseverkehr der Zoobesucher. Gemeinsam mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben wurde daraufhin ein zoospezifischer Fahrplan erarbeitet. Stallgebäudebau, Dach­begrünung, Verzicht auf Kunstfels und Beton bei der Gehege­gestaltung, Fernwärme – viele Mosaiksteine ergeben das Gesamtkonzept. Die neue Zoo­gastronomie setzt mit ihrem Passivenergiehausstandard Maßstäbe. Das restliche CO2 kompensiert der Zoo über ein eigens ausgewähltes Waldklimaschutzprojekt auf den Philippinen. Ein weiterer Baustein ist das Engagement des Zoos für eine nachhaltige Umweltbildung. Tatkräftig unterstützt wird der Zoo hierbei durch die Förderung der Sparkasse Südliche Weinstraße, die zahlreiche Einzelprojekte durch ihr Sponsoring mit ermöglicht hat.

Residenz Schloss Engers in Neuwied

„Die Zeit ist reif für umweltfreundliches, nachhaltiges Bauen im Hotel­gewerbe,“ rief Geschäftsführer Arno Gattschau den Gästen des Tourismus Forum zu. Die Schloss Engers Betriebs-GmbH der Landesstiftung Villa Musica in Neuwied-Engers habe mit der Errichtung des ersten Passivhaus-Hotels in Deutschland im Jahr 2010 ein Zeichen setzen wollen, betonte Gattschau.

Bei einem Investitionsvolumen von 1,3 Millionen Euro für die 15 Zimmer der Residenz lagen die Mehrkosten für den Passivhausstandard bei etwa 5 Prozent. Aufgrund der gegenüber konventionellen Gebäuden etwa 40 Prozent geringeren Energiekosten würden sich diese Mehrinvestitionen jedoch innerhalb von acht bis zehn Jahren amortisieren, so Gattschau weiter. Neben nachhaltigem Bauen steht für die Schloss Engers Betriebs-GmbH auch das nachhaltige Wirtschaften im Fokus: So ließ sich das Haus 2010 durch die Viabono-Initiative zertifizieren, eine Dachmarke für die Vermarktung umweltorientierter touristischer Qualitätsprodukte. Im Restaurantbereich des Haupthauses achtet der Küchenchef auf die bevorzugte Verwendung von Erzeugnissen von Direktvermarktern aus der Region. Als Hausbank wird die Residenz Schloss Engers Betriebs-GmbH durch die Sparkasse Neuwied begleitet.

Hotel Cochemer Jung

Bei der Planung des Hotels Cochemer Jung an der Moselpromenade im Jahr 2010 wurde deutlich, dass dem nachhaltigen Energiekonzept des Neubaus angesichts stetig steigender Energiepreise eine Schlüsselrolle zukam. Eigentümer Achim Lohner entschied sich für die Realisierung des ersten Nullemissionshotels in Rheinland-Pfalz. Die Sparkasse Mittelmosel beriet Lohner als Hausbank und erstellte eine für das Projekt maßgeschneiderte Finanzierung. Bereits im April 2011 konnte das Hotel eingeweiht werden. Neben der Installation einer Luftwärmepumpe wurden sämtliche Kühlaggre­gate an den Heizungskreislauf angeschlossen, wodurch auch deren warme Abluft genutzt wird und Einsparungspotenziale voll zum Tragen kommen. Die zusätzlich umgesetzte Passivbauweise sorgt heute für eine optimale Isolierung des Gebäudes. Um auch im Detail glaubhaft zu sein, verzichtet das Hotel zum Beispiel zugunsten von Etagenkühlschränken mit Getränken für alle Gäste auf Minibars in den Zimmern. Und die Homepage des Hotels klärt den Gast auf, dass das Nullemissionshaus seinen Beitrag zum Umweltschutz und zur Zukunftssicherung der Moselregion leistet, ohne dass auf die üblichen Annehmlichkeiten eines 3 Sterne Superior Hauses verzichtet werden müsse. Für Eigentümer Lohner hat die Lage seines Hotels im Nullemissions-Landkreis Cochem-Zell den Weg zum Nullemissions­betrieb spürbar erleichtert.

Dr. Achim Schloemer, Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, betonte in seinem Schlusswort die Bedeutung der weiterent­wickelten Tourismusstrategie, die den Aspekt der Nachhaltigkeit ebenso berücksichtige wie veränderte Rahmenbedingungen der Nachfrage. Insgesamt sei es lohnenswert in den Tourismus, als einem der größten Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz, weiter zu investieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dies erfordere nicht nur mutige Unternehmer, sondern auch engagierte und involvierte Kreditgeber. Daher lobte er das Engagement der rheinland-pfälzischen Sparkassen für den Tourismus mit dem gemeinsamen Ziel, die Zukunftsfähigkeit der Branche in Rheinland-Pfalz zu stärken.

Budenheim, den 24. September 2012

Sparkassenverband                          Ministerium für Wirtschaft,
Rheinland-Pfalz                                  Klimaschutz, Energie und Landespla-
nung Rheinland-Pfalz

Christiane Becker                              Ruth Boekle

Tel.: 06131 145-217                        Tel.: 06131 16-2549
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www.sv-rlp.de                                   www.mwkel.rlp.de

 

Hinweis:

Informationen finden Sie unter www.s-tourismusbarometer.de. Ein unterjährig erscheinender Infobrief rundet das Gesamtangebot ab.

Diese Pressemeldung sowie das Sparkassen-Tourismusbarometer finden Sie auch auf unserer Internetseite www.sv-rlp.de in der Rubrik „Presseforum“ unter „Pressemitteilungen“ bzw. „Publikationen“.




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Edith Christmann
Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau

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